Ein türkisches Märchen – und wie man den Zauber überall findet

Die inneren Batterien unserer Travel-Autorin Waltraud Hable sind durch ihre Reise voll aufgeladen.
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Bild: Waltraud Hable

Reisen ist wie Träumen mit offenen Augen.“ Dieser Spruch steht auf der Schutzhülle meines Reisepasses, die mir eine Freundin geschenkt hat – und in den sechs Monaten, in denen ich jetzt unterwegs bin, habe ich mir bereits mehrfach gedacht: „Mein Pass hat verdammt recht.“ Weil: Ich habe seit Beginn der Reise so viel surreal Schönes erleben dürfen, das packt man mitunter nicht, zumindest tut sich ein nüchtern-logisch denkendes Hirn schwer damit.

Reisen ist wie Träumen mit offenen Augen.

Da waren etwa die leuchtenden Laternen in der Altstadt von Hoi An in Zentral-Vietnam. Zu Hunderten tauchen sie die Stadt Nacht für Nacht in ein magisch-romantisches Licht. Oder die kleine Bucht auf Maui, in der ein Dutzend Schildkröten schwammen und mir mit ihren Flossen zuwinkten. Und ja, schon klar, Schildkröten winken nicht. Aber ich schwöre, es sah es so aus, als würden sie vom Wasser aus einen Gruß schicken.

Ich habe seit Beginn der Reise so viel surreal Schönes erleben dürfen.

Das Ziel, das nun aber alles an Schönheit übertrumpft hat, war Kappadokien. Nicht nur der Name klingt, als entstamme er einem Märchenbuch – die Region in der Zentraltürkei weiß tatsächlich zu verzaubern.

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Bild: Waltraud Hable

Kappadokien weiß tatsächlich zu verzaubern.

Schuld daran sind die vielen bizarr anmutenden, spitzen Felsen aus Tuffstein, die irgendwie wie nicht von dieser Welt wirken. Die Einheimischen nennen die Felsen „Feenkamine“, weil man glaubte, darin würden kleine Fabelwesen hausen. Einige der Felsen waren früher wirklich bewohnt, sie dienten Menschen als Zuflucht vor religiöser Verfolgung.

Die Einheimischen nennen die Felsen ‚Feenkamine‘, weil man glaubte, darin würden kleine Fabelwesen hausen.

Und wo ich schon mal beim Geschichtenerzählen bin: Eine Landschaft in Kappadokien, genannt das Rosental, hat seinen Namen nicht etwa wegen der gleichnamigen Blumen. Im Rosental blüht nichts, da gibt’s nur Stein und Staub. Aber wenn abends die untergehende Sonne die Felsen in unzählige unterschiedliche Rottöne taucht, dann passt der Name wieder.

Mit jeder Stunde in Kappadokien luden sich meine inneren Batterien mehr auf.

Jedenfalls: Umgeben von so viel Schönheit, stellt sich automatisch ein ungläubiges Staunen ein, gefolgt von einem unbändigen Glücksgefühl. Mit jeder Stunde in Kappadokien luden sich meine inneren Batterien mehr auf. Und als ich dann auch noch um sechs Uhr früh in den Korb eines Heißluftballons kletterte, um mir das türkische Wunderland aus der Vogelperspektive anzusehen, war’s vollends um mich geschehen.

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Bild: Waltraud Hable

Die schöne Sinnlosigkeit nährt Geist und Seele.

Ich fühlte mich frei, kreativ, schwerelos, wie ein Teil eines großes Wunders, auch wenn das jetzt ziemlich abgedreht und hobby-spirituell kriegt. Aber dass solche Landschaften existieren, ist irgendwie ein Wunder. Sie mögen keinen Zweck erfüllen, Getreide- oder Gemüseanbau kannst du auf Tuffstein vergessen, da wächst nichts, aber die schöne Sinnlosigkeit nährt – den Geist und die Seele.

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Bild: Waltraud Hable

Sogar die Instagramer waren still.

Als wir lautlos durch den Morgenhimmel glitten und die changierenden babyrosa und hellblauen Schattierungen am Horizont studierten, waren sogar die mitfahrenden Instagramer still. Kappadokien ist für reisende Influencer quasi wie Mekka, einmal im Leben musst du dort gewesen sein und ein Bild mit dem Hashtag #lovemylife posten.

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Bild: Waltraud Hable

#lovemylife

Ich schätze, die Destination ist auch deshalb so beliebt, weil Fotos aus Kappadokien immer was werden, egal, wie unbegabt man mit der Kamera oder dem Smartphone hantieren mag. Sogar mein liebloses Abdrücken (ich hasse Knipsen und rede mir immer ein, die schönsten Momente trägt man im Herzen) hatte am Ende Fototapeten- oder Postkartenqualität.

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Bild: Waltraud Hable

Wie wunderbar alles ist, erkennt man erst, wenn man das Leben aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Aber die Schnappschüsse aus Kappadokien und aus dem Heißluftballon sind mir eigentlich wurscht. Wichtiger ist mir, was ich von da oben im Himmel mitnehme – nämlich, dass man sich manchmal die Zeit nehmen muss, das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Um zu erkennen, wie wunderbar das da eigentlich alles vor uns ist. Ich rede nicht nur von Kappadokien. Ich rede von der ganzen Welt. An jeder Ecke dieses Planeten finden sich magisch schöne Dinge, wenn man mit offenen Augen und offenen Herzen hinschaut. Die Wolken im Himmel. Das Licht, das sich im Fenster spiegelt. Die vielen bunten Kreationen, die auf Bäumen und Sträuchern wachsen. Mir gibt das Kraft. Ich muss mich nur oft zwingen, bewusster hinzuschauen.

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Bild: Waltraud Hable

An jeder Ecke finden sich magisch schöne Dinge, wenn man mit offenen Augen und offenen Herzen hinschaut.

Okay, over and out. Vielleicht werde ich im nächsten Leben ein Guru. 🙂 Weiter geht‘s mit Waltrauds Männerbekanntschaften auf dem Weg nach Rio.

Über Waltrauds Reisen
Was passiert, wenn man seinen Job kündigt, dem Fernweh nachgibt und sich einfach mal die Welt anschaut? Waltraud Hable (41) schreibt über große und kleine Weisheiten, die sie am Wegesrand findet. In der unten stehenden Karte siehst du die Stationen ihrer Weltreise. Durch Klick auf die gelben Symbole erhältst du den Link zu dem jeweiligen Blogeintrag. Oder hier beim ersten Reiseblog starten.

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