Ines Glatz-Deuretzbacher

Wald, See, Fluss oder Baum? Finde heraus, welcher Kraftort zu deiner Stimmung passt

Burn-out-Spezialistin Sibylle Steidl hilft bei der Auswahl und zeigt dir praktische Übungen vor Ort.
Kraftort
Bild: Marc Pell/Unsplash

Die Natur hat nicht nur eine heilsame Wirkung auf die Psyche – unterschiedliche Landschaftstypen können sogar Befindlichkeiten positiv beeinflussen: „Draußen zu sein wirkt unmittelbar entspannend und stressmindernd“, sagt Burn-out-Spezialistin Sibylle Steidl. „Der Grund dafĂŒr ist, dass schon nach kurzer Zeit die Sinne aktiviert werden. Das geht um so schneller, je bewusster man sich auf das Erleben einlĂ€sst.“

An manchen Orten dĂŒrfte Mutter Natur spezielle KrĂ€fte aktiviert haben: Schon seit Jahrhunderten sind Berge bekannt, die aufgrund ihrer Aura sogar heiliggesprochen wurden: so etwa der Kailash in Tibet/Himalaya, Atos in Griechenland oder der Ayers Rock in Australien. Auch bestimmten Felsformationen wurden schon von den Kelten KrĂ€fte zugeordnet – nicht umsonst gibt es auch heute noch im Waldviertel Teufels- oder Hexensteine. 

Steidl: „BĂ€ume stehen in vielen Kulturen fĂŒr den Menschen an sich, mit seinen unterschiedlichen QualitĂ€ten. FlĂŒsse versinnbildlichen den ‚Fluss des Lebens‘, stehen also fĂŒr das Leben und auch fĂŒr die Zeit an sich. Im Buddhismus steht das Meer fĂŒr das große Ganze, das aus vielen Teilen, den Tropfen besteht.“

So suchst du dir „deine“ Landschaft

FĂŒr SelbstfĂŒrsorge, Achtsamkeit, StabilitĂ€t: Wald
  • Ganz langsam und bewusst aus- und einatmen. Mit dem Ausatmen beginnen, wĂ€hrend der Übung den Fokus auf den Körper richten.
  • ZunĂ€chst auf die Mitte des Körpers, zirka zwei Zentimeter unterhalb des Nabels; sich vorstellen, dass dort der Schwerpunkt des Körpers ist.
  • Dann mit der Aufmerksamkeit wieder zur Atmung gehen. Jetzt bitte lĂ€cheln, und zwar nur ganz leicht, sodass man es kaum merkt.
  • Zu sich selbst freundlich „Hallo, liebe … (den eigenen Namen)“ sagen. 
  • Danach einen Naturgegenstand suchen, der einem gut gefĂ€llt und positive GefĂŒhle auslöst: eine Blume, einen kleinen Stein, ein Zweigerl.
  • Den Gegenstand mit allen Sinnen erfassen. Ihn also bewusst abtasten, daran riechen, damit GerĂ€usche erzeugen, anschauen.
FĂŒr Loslassen & Akzeptanz: See
Hundstalsee
Bild. Christina Schwann/Unsplash

An einem angenehmen Platz die WasserflĂ€che beobachten: Ist sie gekrĂ€uselt? Weht der Wind ab und zu darĂŒber? Gibt es Wellen oder ist sie glatt? Sind Spiegelungen zu sehen? Was genau spiegelt sich im Wasser? Der Himmel? Die Berge? Die Wolken? Das Schilf? Wasservögel? Welche Farben sind im Wasser zu sehen?

FĂŒr Akzeptanz, Loslassen, das Leben annehmen, in den Fluss kommen: Fluss
BogenbrĂŒcke
Bild: Getty Images/Dieter Meyrl

Im Sommer: Wenn der Fluss nicht allzu tief ist, einfach durch das Wasser waten – egal ob mit oder gegen den Strom. Immer wieder stehenbleiben, durchatmen. Sich dabei vorstellen, wie der Fluss ĂŒber die FĂŒĂŸe alle Belastungen aus dem Körper nimmt und fortspĂŒlt. Danach: Dinge, die man loslassen will, auf einen Zettel schreiben, diesen zerknĂŒllen und mit einem lauten Schrei in den Fluss schmeißen.

FĂŒr StabilitĂ€t, Ängste loslassen, Entspannung: Baum
Kraftbaum Baum
Foto Credit: Veeterzy/ Unsplash
  • Schultern an einen Baum gut anlehnen. SpĂŒren, wie der Stamm des Baumes gut unterstĂŒtzt, die Festigkeit des Stammes wirken lassen.
  • Sich vorstellen, wie man mit dem Baum verbunden ist – in Gedanken zu seinen Wurzeln gehen – und Stress oder andere Belastungen einfach an die Baumwurzeln abgeben.
  • Dann: Die BlĂ€tter/Nadeln des Baumes beobachten, indem man in die ZwischenrĂ€ume der BlĂ€tter schaut.

Sibylle Steidl ist Psychotherapeutin, WanderfĂŒhrerin und Sprecherin der Initiative „Lebendiger Kamp“.

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