Sind wir gesünder, wenn wir weniger arbeiten?

Weniger arbeiten bei vollem Gehalt: Das ist der Traum von vielen. Aber ist das umsetzbar? Und wie wirkt sich weniger Arbeit auf unsere Gesundheit aus?

Möglichst viel schuften, um später reich zu sein? Nein, dieses Ziel haben heute nicht mehr so viele Menschen. Was die meisten Menschen heutzutage wollen: Zeit. Zeit für sich selbst, für die Familie, für die Freunde, für Hobbys. Und ihnen ist die Gesundheit und das Wohlbefinden wichtiger als Arbeit und viel Geld. Ist die 40-Stunden-Woche also ein längst überholtes Modell?

Verkürzte Arbeitszeit: Die 25-Stunden-Woche

Ja, findet Unternehmer Lasse Rheingans. Er fragte sich vor ein paar Jahren: „Was nutzt es dir, viel Geld verdient zu haben, wenn dein Kontingent an Zeit von einem Tag auf den anderen abgelaufen ist?“ Was tat Rheingans also: Er krempelte sein Unternehmen um und führte die 25-Stunden-Woche ein (und schrieb ein Buch darüber: „Die 5-Stunden-Revolution„, erschienen im Campus Verlag). Das bedeutet: Alle arbeiten bis 13 Uhr, danach wird gemeinsam gegessen, dann ist der Arbeitstag für alle zu Ende.

Damit der Output der Gleiche bleibt und Rheingans den Lohn seiner Mitarbeiter nicht kürzen musste, wurden Kaffee- und Raucherpausen restlos gestrichen. Kurzum: In Rheingans‘ Unternehmen wird jetzt genauso viel gearbeitet wie zuvor, dafür effektiver in einem strafferen Zeitfenster, bei gleichem Gehalt.

Rheingans war nicht der erste, der die 40-Stunden-Arbeitswoche auf den Prüfstand stellte. Es gibt und gab viele Modellprojekte mit ähnlichen Ansätzen.

Weniger arbeiten bei vollem Lohn?

In einem Altenwohnheim im schwedischen Göteborg wurde zwei Jahre lang die Arbeitszeit gekürzt, bei vollem Lohn. Aufgrund der erhöhten Lohnkosten für zusätzliche Mitarbeiter wurde das Projekt nach zwei Jahren wieder beendet. Das Feedback der Mitarbeiter war aber sehr einhellig: Sie berichteten, dass die kürzere Arbeitszeit sich positiv auf ihre Gesundheit und auf ihre Arbeitsleistung ausgewirkt hätte.

Auch in Island wurde die Arbeitszeit für rund 2.500 Menschen um ein paar Stunden gekürzt. Mit einem wünschenswerten Effekt: Paare teilten sich nun die Hausarbeit gerechter auf.

Weniger arbeiten: Wie es auf die Gesundheit wirkt

42 Stunden pro Woche arbeiten Vollzeitbeschäftigte in Österreich im Durchschnitt. Dabei wissen wir: Lange Arbeitszeiten erhöhen die Unfallwahrscheinlichkeit am Arbeitsplatz. Das Zentrum für Public Health in Wien stellte zudem fest: Ab der zehnten Arbeitsstunde sinkt unsere Leistung massiv – teilweise sogar ab der siebten Stunde. Knaller: In einer britischen Umfrage mit 2.000 Büroangestellten kam heraus, dass die meisten nur etwa drei von acht Stunden arbeiten. Das führt uns zu der Frage: Ist es nicht sogar effektiver, fünf Stunden konzentriert zu arbeiten, als 8 Stunden, in denen man mit Ablenkungen und Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen hat?

Klar ist: Wer nicht genug Zeit für Erholung und Regeneration hat, leidet häufiger an Rückenschmerzen und Schlafstörungen. Kürzere Arbeitstage dagegen bedeuten: Wir können uns mehr bewegen, mehr Sport machen. Regelmäßige Bewegung wirkt sich wiederum positiv auf unsere Leistung aus.

Bisherige Modellprojekte zu verkürzter Arbeitszeit zeigen: Teilnehmer hatten ein geringeres Stresslevel und ein gesenktes Burnout-Risiko, dafür mehr Zeit für Familie und Hobbys. Auch für die Umwelt könnte eine Arbeitszeitverkürzung Vorteile haben: Wenn wir weniger Zeit haben zum Produzieren, verbrauchen wir auch weniger Ressourcen.

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