Astrid Wecht

Wie wir durch Stille zu Klarheit gelangen

Innehalten, zur Ruhe kommen, in sich hineinspĂŒren – bewusst Stille in dein Leben zu lassen, kann sehr heilsam sein.
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Bild: Getty Images/Dieter Meyrl

Die Stille ist in unserer lauten Welt ein seltener Zustand geworden. Umso mehr wird sie oft herbeigesehnt. Wenn sie da ist, wirkt sie dann manchmal doch bedrĂŒckend. Warum es sich dennoch lohnt, dranzubleiben, kannst du hier lesen.

Stopp. Bevor du weiterliest, lade ich dich zu folgender kurzen Übung ein:

  • SpĂŒre, in welcher Position sich dein Körper jetzt gerade befindet.
  • SpĂŒre die Kontaktpunkte zum Boden bzw. zur Sitzunterlage.
  • Gibt es Körperstellen, die unnötig angespannt sind? Kannst du sie entspannen?
  • Beobachte deinen Atem, wie er ganz von selbst sanft in und aus deinem Körper strömt.
  • Bleib ganz still und lausche, was um dich herum oder in dir vorgeht. Nimm dir dafĂŒr fĂŒnf bis zehn AtemzĂŒge Zeit.

Die Stille ist sehr heilsam fĂŒr Körper und Geist.

Wie ist es dir dabei ergangen? Ist es ein GefĂŒhl von: „Oh, was fĂŒr eine Wohltat!“ Oder: „Das halte ich nicht aus. Da werde ich nur noch unruhiger und zappeliger.“ Mir geht es dabei mal so und mal so, je nach Tagesverfassung und Lebenssituation. Und auch wenn sich still zu werden manchmal unbehaglich anfĂŒhlt, bleibe ich regelmĂ€ĂŸig dran. Denn die Stille ist sehr heilsam fĂŒr Körper und Geist.

Stille befreit uns von Stress und macht glĂŒcklich

Da ein Anruf, dort ein Mail, auf zum nĂ€chsten Termin, schnell noch den Einkauf erledigen – wir befinden uns stets in Alarmbereitschaft. Unser Körper schĂŒttet ohne Pause Stresshormone aus und lĂ€uft dauernd auf Hochtouren. Das ist fĂŒr Körper und Geist sehr belastend.

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Bild: Clay Banks/ Unsplash

Wenn wir ihn lange genug mit dieser Anstrengung herausfordern, wird unser Immunsystem geschwĂ€cht. Psychische und physische Erkrankungen wie Verdauungsstörungen, MigrĂ€ne, RĂŒckenschmerzen, Depressionen, Herzinfarkt usw. stellen sich ein.

Wenn wir still werden, sinkt der Stresshormonpegel.

Unser Körper darf aus der Alarmbereitschaft in den Erholungsmodus. Zeit zum Entspannen, zum Durchatmen.

Verschiedene Studien haben ergeben, dass durch regelmĂ€ĂŸige Meditationspraxis das Level des körpereigenen Hormons Serotonin angehoben wird. Serotonin hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden. Es gibt uns das GefĂŒhl der Gelassenheit, der inneren Ruhe und Zufriedenheit. Allgemein wird es auch als das „GlĂŒckshormon“ bezeichnet.

Stille erhöht die Konzentration und KreativitÀt

Was braucht eine Topfpflanze, damit sie wachsen kann? Wasser. Und was passiert, wenn wir stĂ€ndig Wasser in ihren Topf gießen? Irgendwann geht er ĂŒber. Um die Pflanze vor dem Ertrinken zu retten bzw. damit sie sich in voller Pracht entfalten kann, pausieren wir mit dem Gießen.

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Bild: Fred Kearney/ Unsplash

Genau so verhĂ€lt es sich mit unserem Geist. Wenn er stĂ€ndig mit Informationen und Reizen gefĂŒttert wird, kommt es zum Overload. Unser Kopf ist voll. Wir können uns nur schwer konzentrieren oder uns Dinge merken. Wenn wir still werden, kann der Geist all das Aufgenommene verarbeiten und sickern lassen. Es entsteht wieder Raum fĂŒr Neues und der eine oder andere Geistesblitz darf sich entfalten.

Stille bringt Klarheit

Durch den LĂ€rm und Reize von außen werden wir abgelenkt und verlieren den Kontakt zu uns selbst. Wir stehen „neben uns“. Der Gedankensturm nimmt uns die „Sicht“. Uns fehlt der Durchblick. Es fĂ€llt uns schwer, Entscheidungen zu treffen.

In der Stille nehmen wir unseren Körper wieder wahr. Wir spĂŒren uns.

Und wir nehmen uns Zeit, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Nach innen zu lauschen. Dabei merken wir erst, wie laut es in unserem Kopf ist. Das ist ganz normal und darf sein.

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Bild: John Mark Arnold/Unsplash

Wenn wir den Gedankenstrom einfach fließen lassen, ohne ihn zu steuern oder festhalten zu wollen, wird er immer ruhiger. Und irgendwann wird er zu einem glasklaren, spiegelglatten See. Wir erkennen die wahre Natur unserer Herausforderungen. Wir finden heraus, wer wir sind, was wir wollen und was wir verĂ€ndern können. Alles wird klar fĂŒr unsere nĂ€chsten Schritte.

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