Daniela Razocher

Rein in die Komfortzone!

Müssen wir immer wachsen und dazulernen? Oder dürfen wir es uns in der Komfortzone auch mal gemütlich machen?
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Bild: freestocks.org /Unsplash

Was wir üblicherweise Komfortzone nennen, hat oft wenig mit Komfort zu tun. In unseren Alltag schleichen sich oft Zweifel und Unsicherheiten ein. „Um persönlich zu wachsen und erfolgreich zu sein, muss man sich aus der Komfortzone bewegen“, hört man immer wieder. Ich stehe dem Thema zwiespältig gegenüber.

Was wir üblicherweise Komfortzone nennen, hat oft wenig mit Komfort zu tun.

Gemeint ist damit, dass man Neues wagen und sich mutig einer Herausforderung stellen soll. Dagegen gibt es nichts einzuwenden – da bin ich dabei. Was allerdings auch angedeutet wird, und meiner Meinung nach nicht stimmt, ist, dass wir in der Komfortzone keine Herausforderungen finden und uns in ihr pudelwohl fühlen. Mein Leben und mein Job zeigen mir ein anderes Bild. Im Alltag, in der sogenannten Komfortzone, begegnen uns stets Stressfaktoren.

Es stimmt nicht, dass wir in der Komfortzone keine Herausforderungen finden und uns in ihr pudelwohl fühlen.

Existiert die Komfortzone nur in unserem Kopf?

Unser Verstand zieht (eine vermeintliche) Sicherheit daraus zu wissen, was passieren wird. Auch wenn wir das Ergebnis nicht gut finden. Etwas vorab zu wissen verschafft Sicherheit. Zumindest im Denken. Zu wissen, dass heute im Büro angespannte Stimmung herrschen wird, weil ein stressiger Vertragsabschluss bevorsteht, ist nicht automatisch angenehm, nur weil ich weiß, dass es so sein wird. Bin ich in dieser Situation jetzt in meiner Komfortzone oder nicht? Ich weiß es nicht.

Läuft der Autopilot oder entscheide ich bewusst?

Ich unterscheide lieber zwischen Autopilot und bewusstem Sein. Läuft mein Autopilot, ist mein Handeln, Denken, Fühlen und Sein von den Mustern, die ich mitbekommen und erlernt habe, geleitet. Das ist meine Definition von Komfortzone. Mich in ihr zu bewegen ist okay.

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Bild: Yan Berthemy on Unsplash

Wir brauchen Gewohntes, um unsere Aufmerksamkeit auf das Wesentliche richten zu können. Natürlich will ich auch manchmal raus aus meiner Komfortzone. Schließlich wünsche ich mir Abwechslung und will etwas Neues erleben. Ich will die Welt mit mehr Tiefe und Intensität spüren. Dafür brauche ich Übung im Erlauben dieser Intensität des Menschseins.

Wir brauchen Gewohntes, um unsere Aufmerksamkeit auf das Wesentliche richten zu können.

Das geht aber meiner Meinung nach nur, wenn ich Lebensbereiche und Momente habe, wo ich mich absolut sicher fühlen, tief entspannen und fallen lassen kann. Ich brauche also Zeiten ohne Druck, in denen nicht gleich die nächste Challenge im immerwährenden Selbstoptimierungsprogramm auf mich wartet.

Die Komfortzone wörtlich nehmen

Die Komfortzone ist der Bereich, in dem wir uns wohlfühlen. Was wäre, wenn wir – du und ich – uns mehr darum kümmern würden, dass es uns gutgeht? Wäre es nicht schön, Momente zu haben, in denen wir ganz bei uns sind – verbunden und leicht? Wie wäre es, mehr genießen zu können? Die Leichtigkeit des Seins zu spüren?

Wäre es nicht schön, Momente zu haben, in denen wir ganz bei uns sind – verbunden und leicht?

Wäre das nicht eine prima Ausgangsbasis, ein Base Camp, um sich von dort aus den wesentlichen Herausforderungen zu stellen und den nächsten Schritt ins Unbekannte zu wagen? Wie geht’s dir mit der Komfortzone? Ich will auf jeden Fall mehr davon.

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