Maria Dorner

Biorhythmus: Wie ticken wir eigentlich?

Schon die alten Chinesen und Inder wussten um die Gezeiten unserer Organe und Gefühle. 2017 gab es für moderne Erkenntnisse zum Biorhythmus den Nobelpreis.
Biorhythmus: Wie ticken wir eigentlich?
Bild: Adobe Foto Stock

Unser Biorhythmus besteht aus Milliarden kleiner Uhren, die in unseren Körperzellen den Takt angeben. Fein aufeinander abgestimmt, steuern sie lebenswichtige Vorgänge. Sie prägen unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, den Gemütszustand, das Wohlbefinden … Ihr Wirken ist dabei so individuell wie ein Fingerabdruck.

Jeder von uns tickt also nach seiner eigenen Uhr. Dennoch gibt es Möglichkeiten, den gemeinsamen inneren Rhythmus menschlichen Lebens zu verstehen. Jahrtausendealte Heilkünste wie TCM oder Ayurveda helfen bei der Orientierung: Sie arbeiten mit Modellen, die zumindest eine probate Annäherung an unser inneres Zeitprogramm darstellen.

Und auch die noch junge Wissenschaft der Chronobiologie verschafft Einblick in den sogenannten Biorhythmus. Dafür gab’s 2017 sogar den Medizin-Nobelpreis. Wofür das gut ist? Ganz einfach: Wer seinen inneren Rhythmus kennt, versteht besser, was sein Körper wann will und braucht.

Du wachst jede Nacht um dieselbe Uhrzeit auf? Dann schau doch einmal nach, welches Organ hier um deine Aufmerksamkeit buhlt – beziehungsweise welches das korrespondierende Organ auf der gegenüberliegenden Seite der Zeitskala ist. Vielleicht hätte eines davon gern ein wenig mehr Unterstützung von dir.

Biorhythmus

  • 6.00 Uhr: Cortisolausschüttung
  • 6.00 bis 10.00 Uhr: Schneller Bludruckanstieg
  • 8.00 bis 12.00 Uhr: Aufmerksamkeit
  • 14.00 Uhr: Beste Koordinatin und schnellste Reaktionszeit
  • 16.00 bis 20.00 Uhr: Körpertemperatur am höchsten
  • 20.00 Uhr: Höchster Blutdruck
  • 22.00 Uhr: Melatoninausschüttung
  • 2.00 Uhr: Tiefschlaf
  • 2.00 bis 6.00 Uhr: niedrigste Körpertemperatur

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Laut Traditioneller Chinesischer Medizin fließt Lebensenergie auf unsichtbaren Bahnen (Meridianen) durch unseren Körper. Die Hauptmeridiane sind jeweils einem Organ zugeordnet.
Alle zwei Stunden wird ein Organ besonders gut mit Energie durchflutet, zwölf Stunden später hat dieses dafür seine Tiefphase. Treten Beschwerden stets zur gleichen Zeit auf, kann die Organuhr wertvolle Hinweise auf den Ursprung liefern.

  • 5.00 bis 7.00 Uhr – Dickdarm
    Loslassen: Die Aufwachphase startet – verabschiede dich von seelischem und körperlichem Ballast.
  • 7.00 bis 9.00 Uhr – Magen
    Aufnahme: Frühstücke wie ein Kaiser, im Idealfall warm. Nährstoffe können jetzt am besten aufgenommen werden.
  • 9.00 bis 11.00 Uhr – Milz
    Konzentration: Denkfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Widerstandskraft haben jetzt ihre Hochphase.
  • 11.00 bis 13.00 Uhr – Herz
    Lebensfreude: Stärke dich mit einer kleinen Mahlzeit in netter Atmosphäre. Guter Moment für gute Kommunikation!
  • 13.00 bis 15.00 Uhr – Dünndarm
    Bauchgefühl: Hallo, Mittagstief! Zeit zum Reflektieren und Verarbeiten. Wer kann, gönnt sich einen Power Nap.
  • 15.00 bis 17.00 Uhr – Blase
    Stärke: Die Lebensgeister sind zurück, gute Zeit für Sport. Viel trinken und den Körper von Schadstoffen befreien.
  • 17.00 bis 19.00 Uhr – Niere
    Zurückschalten: Das Tempo ist noch hoch, die Kräfte sinken aber langsam. Gönn dir eine letzte (kleine) Mahlzeit.
  • 19.00 bis 21.00 Uhr – Herzbeutel
    Harmoniebedürfnis: Der Stress des Tages fällt ab, Körper und Geist sehnen sich nach Ruhe und positiver Emotion
  • 21.00 bis 23.00 Uhr – Dreifach-Erwärmer
    Gedankenfluss: Die Schlafbereitschaft steigt. Mach dir jetzt keine Sorgen und trotze Heißhungerattacken.
  • 23.00 bis 1.00 Uhr – Gallenblase
    Nachtruhe: Gallenzeit ist Schlafenszeit. Gib deinem Körper Raum für Aufbau, Regeneration und Neuordnung.
  • 1.00 Uhr bis 3.00 Uhr – Leber
    Tiefschlaf: Körperfunktionen laufen auf Sparflamme. Wer jetzt aufwacht, hat zu schwer gegessen oder getrunken.
  • 3.00 Uhr bis 5.00 Uhr – Lunge
    Durchatmen: Die Lunge reinigt sich, Frischluft hilft dabei! Die Blase hat ihre Tiefzeit und weckt uns jetzt gerne.

Ayurveda und der menschliche Biorhythmus

Die „Wissenschaft vom langen Leben“ beschreibt drei Kräfte, die den Kosmos, die Natur und den Menschen durchdringen – die Doshas:

  • Vata
  • Pitta
  • Kapha

Sie bestehen aus den fünf Elementen, regulieren unsere geistigen und körperlichen Funktionen und definieren die Phasen des ayurvedischen Tagesablaufs. Jedes der drei Doshas herrscht im 24-Stunden-Zyklus zweimal vor. Mit ihnen in Einklang zu leben ist laut indischer Heilkunst die Grundlage für eine gesunde Lebensweise. Geht nicht immer, aber ein wenig Struktur tut auf jeden Fall gut.

  • 6.00 bis 10.00 Uhr – VATA
    Luft und Raum. Reinigung, kleines Frühstück, Energien sammeln.
  • 10.00 bis 14.00 Uhr – PITTA
    Feuer und Wasser. Handlung, Planung, Hauptmahlzeit.
  • 14.00 bis 18.00 Uhr – VATA
    Luft und Raum. Kreativer Geist, Emotionalität, Bewegung.
  • 18.00 bis 22.00 Uhr – KAPHA
    Wasser und Erde. Entspannung, letzte Mahlzeit, Schlafenszeit.
  • 22.00 bis 2.00 Uhr – PITTA
    Feuer und Wasser. Innere Aktivität, Regeneration, Träume.
  • 2.00 bis 6.00 Uhr – KAPHA
    Wasser und Erde. Aktivierung, geistige Öffnung, Meditation.
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