Hast du dich schon einmal gelassen geklopft? Was EFT bzw. Tapping ist

Stress, Ärger, Bauch- weh und ernsthafte Krankheiten sollen sich, tap-tap-tap, einfach wegklopfen lassen. Jederzeit, überall, in wenigen Minuten.
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Bild: Getty Images

Die Klopfakupressur ist eine rund vierzig Jahre alte Technik mit amerikanischen Wurzeln (in den USA heißt sie „Tapping“). Sie verbindet Westen und Osten, Kompetenzen in Psychologie und Akupressur, Quantenphysik, Meridianen und Energieflüssen mit fast schon provokanter Einfachheit in der Ausübung.

Wie simpel das Klopfen funktioniert, lässt sich daran erkennen, dass die meisten Fachbücher die Erklärung mit ausgiebigem Bildanteil und ohne übertriebene Scheu vor inhaltlichen Redundanzen auf 100 Seiten schaffen.

Tatsächlich tut man beim Klopfen kaum mehr als dazusitzen, sich so hingebungsvoll wie möglich in etwas Unangenehmes hineinzufühlen und dabei auf verschiedene Punkte des Körpers zu klopfen. Das war’s.

Wem Tapping hilft

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Bild: UIrike Müller

Den Rest erledigt der Körper von allein“, sagt Ulrike Müller, die seit rund zehn Jahren Leuten mit der Klopftechnik hilft, kleinere und größere Lebensthemen in den Griff zu bekommen. Der Einsatzbereich des Klopfens reicht von Dingen wie keine Lust auf die Arbeit haben, sich über rücksichtslose Autofahrer ärgern und vorm cholerischen Chef fürchten über Bauch-, Kopf- und Zahnweh bis zu Allergien, Migräne, Asthma und richtig ernsthaften psychischen Problemen wie Panikattacken und Depressionen.

Ob es wirklich funktioniert

Die dokumentierten Erfolge der Methode verblüffen mindestens so sehr wie die Einfachheit ihrer Anwendung, es gibt einen Haufen entsprechender wissenschaftlicher Studien. YouTube ist voll mit Tapping-Wundergeschichten, etwa jener über die Vietnamveteranen, deren schwerste Kriegstraumata nach gerade einmal fünfzehn Minuten weggeklopft waren.

Die KnB-Methode

Ulrike wendet in ihrer Arbeit die KnB-Methode an, „Klopfen nach Benesch“, benannt nach Horst Benesch, einem Deutschen, der das Tapping in den deutschen Sprachraum brachte und gegenüber den US-Vorbildern sogar noch weiter vereinfachte.

Man beginnt beim KnB-Klopfen damit, dass man sich ein Thema aussucht, das einem ernsthaft Stress bereitet. Ob das Thema auch den Rest der Welt stresst, spielt keine Rolle. „Es geht nicht um wichtig oder unwichtig, berechtigt oder unberechtigt“, sagt Ulrike Müller, „es geht um belastend oder nicht belastend, und zwar jetzt, für dich, in diesem Moment.

Den Grad der Belastung ordnet man zu Beginn auf einer Skala von eins bis zehn ein. Das dient der späteren Beurteilung des Erfolgs der Maßnahme. Man kann sein Thema nämlich am Ende des Prozesses wieder auf dieser Skala einordnen und damit einigermaßen den Erfolg des Klopfens objektivieren; wer das halt braucht. Dann geht es los.

Man spricht den sogenannten Einstimmungssatz, der das Problem so kurz, verbindlich und präzise wie möglich formuliert und in einen versöhnlichen Kontext stellt.

Auf den Einstimmungssatz folgt der sogenannte Erinnerungssatz. Der ist das, was nach alttestamentarischem Wehklagen klingt, und hilft in einer Art Meditation des Selbstmitleids dabei, sich immer weiter ins Traurig-, Verärgert- oder Gestresstsein zu vertiefen.

Je mehr man sich in dem Problem suhlt, das man lösen möchte, desto besser. Dabei klopft und klopft und klopft man unablässig.

Welche Punkte geklopft werden

Im perfekten Fall tut man das in einer vorgegebenen Reihenfolge mit je sieben Tappern auf sieben Punkte in immer gleichem Ablauf: sieben Tapper an der Innenseite der Augenbraue, sieben an der Außenseite des Auges, sieben am unteren Ende der Augenhöhle, sieben mittig zwischen Oberlippe und Nase, sieben zwischen Kinn und Unterlippe, sieben am oberen Ende des Brustbeins, sieben unterm Arm, ein paar Zentimeter unter der Achsel. Und dann wieder von vorne: sieben Tapper an der Innenseite der Augenbraue … und so weiter.

Der perfekte Fall ist aber, sagt Ulrike Müller, gar nicht wichtig. „Es ist nicht entscheidend, ob man die Punkte genau trifft. Es ist auch nicht entscheidend, ob man sich korrekt an die Reihenfolge hält, ob man jedes Mal siebenmal klopft oder ob man überhaupt die vorgegebenen Punkte verwendet. Alles das macht Anfängern unnötig Stress. Man kann auch einfach die Handkanten aneinanderschlagen oder sich auf die Handkante klopfen. Das reicht absolut.

Wie lang man klopfen soll

Wie es passt. Bei Alltagsthemen reichen oft ein paar Minuten“, sagt Ulrike Müller. „Und man spürt auch, wenn’s genug ist.

Gerne hilft der Körper beim Spüren ein bisschen nach. Wenn sich ein Problem hinreichend verabschiedet hat, formuliert das der Körper durch Langeweile, Müdigkeit, einen Seufzer oder einen tiefen Atemzug.

Wie das Klopfen funktioniert

In der Erklärung der ursprünglichen amerikanischen Techniken wird oft auf Meridiane verwiesen, auf jene Energiebahnen, die nach fernöstlicher Auffassung unsere Körper durchziehen, mit derselben Wichtigkeit wie Blut- und Nervenbahnen oder das Lymphsystem. (Unsere moderne westliche Wissenschaft ist seit einiger Zeit in der Lage, die Energien der Meridiane zu messen, die in der chinesischen Medizin seit Jahrtausenden als Selbstverständlichkeit betrachtet werden.)

Ulrike sagt: „Es gibt jede Menge Studien, die belegen, dass Klopfen wirkt. Warum es wirkt, kann die Wissenschaft nicht erklären.“ „Wie erklärt ihr es euch?“, frage ich.

Wissenschaftlich belegt oder nicht?

Vereinfacht gesagt: Wir sehen den Körper als Einheit von Schwingungen. Durch das Klopfen werden Störungen dieser Schwingungen ausgeglichen, werden im Körper Blockaden gelöst. Es geht beim Klopfen um den freien Fluss der Energie, es geht darum, dass der Körper dabei unterstützt wird, selbst in die Harmonie seiner Schwingungen zurückzufinden.

Ich fände es schade, ein extrem wirksames, einfaches Werkzeug nicht zu verwenden, nur weil der Grund für seine Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist.

Ich bin nicht sicher, ob diese Erklärung einen eingefleischten Naturwissenschaftler überzeugt“, sage ich. „Ich auch nicht“, sagt Ulrike. Sie lächelt dabei und zuckt mit den Schultern. „Aber ist das wichtig? Ich fände es schade, ein extrem wirksames, einfaches Werkzeug nicht zu verwenden, nur weil der Grund für seine Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist.

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