Valentinstag – der Tag der Liebe? Ein Pro und Contra

Ein schöner Anlass, die gemeinsame Liebe zu feiern oder eine aufgezwängte Verpflichtung zu konsumieren?
von Ines Glatz-Deuretzbacher | 14. Februar 2020

PRO: Marilor Schoderböck, Religionspädagogin

„Ich finde es einfach schön, am Valentinstag von meinem Mann eine kleine Aufmerksamkeit zu bekommen – insbesondere, weil er dazu tendiert, unseren Hochzeitstag zu vergessen … Ein Tag, an dem es um die Liebe geht: Was kann daran schlecht sein?

Ein Tag, an dem es um die Liebe geht: Was kann daran schlecht sein?

Als Religionslehrerin fällt mir natürlich auch der namensgebende Heilige dazu ein und sein Gedenken an ihn: Valentin von Terni, ein Heiliger und Märtyrer der römisch-katholischen Kirche aus dem 3. Jahrhundert nach Christi. Er soll als Priester Liebespaare trotz des Verbots christlich getraut haben und deswegen am 14. Februar 269 hingerichtet worden sein. Darüber hinaus habe er frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden.

Die Ehen, die von dem namensgebenden Heiligen Valentin von Terni geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden.

Meiner Meinung nach steht jede Ehe unter einem guten Stern, in der man auch die Feste so feiert, wie sie fallen – und der Valentinstag ist eines davon. Man kann ihn nützen, um einander wieder einmal Zuneigung zu zeigen und einander zu sagen, wie sehr man sich liebt.

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Bild: Samantha Gades/Unsplash

Meiner Meinung nach steht jede Ehe unter einem guten Stern, in der man auch die Feste so feiert, wie sie fallen.

Für alltagszerfressene Eltern, wie ich und mein Mann es auch sind, ist der 14. Februar eine gute Gelegenheit, sich ohne schlechtes Gewissen eine Auszeit zu nehmen.

Eine gute Gelegenheit, sich ohne schlechtes Gewissen eine Auszeit vom Alltag zu nehmen.

Ich finde es auch gar nicht so schlecht, wenn die Wirtschaft an diesem Tag ein wenig belebt wird. Auch wenn ich mir persönlich kein großartiges Geschenk erwarte, so denke ich doch, dass vor allem lokale Blumengeschäfte und Co an diesem Tag frequentiert werden und der Online-Kauf weniger zum Zug kommt.“

Ich finde es auch gar nicht so schlecht, wenn die Wirtschaft an diesem Tag ein wenig belebt wird.

KONTRA: Eva Grünberger, Unternehmerin, DonauGarten Suppenkistl

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Bild: Privat

Mir geht der Valentinstag gehörig auf die Nerven. Wir versuchen, möglichst nachhaltig zu leben und unnötigen Konsum zu vermeiden. Und worum geht es am 14. Februar? Primär um Konsum. Plakate, Inserate und Medien suggerieren, dass Paare einander zumindest Blumen oder Schokolade zu schenken haben – am besten wäre natürlich der Brillantring.

Wir versuchen, möglichst nachhaltig zu leben. Und worum geht es am 14. Februar? Primär um Konsum.

Man fühlt sich gedrängt und verpflichtet, gewissen Erwartungen gerecht zu werden. Alleine schon deshalb, weil man ja auch gefragt wird: ‚Und, was hast du von deinem Mann zum Valentinstag bekommen?‘ Ich mache da auf keinen Fall mit, und mein Mann auch nicht.

Man fühlt sich gedrängt und verpflichtet, gewissen Erwartungen gerecht zu werden.

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Bild: Toa Heftiba/Unsplash

Wir brauchen auch keine Erinnerung daran, dass wir einander lieben. So gut es geht, versuchen wir trotz unserer drei Kinder einander täglich Zuneigung zu zeigen. Wir haben eine Hängematte im Wohnzimmer, in der wir regelmäßig zu zweit kuscheln. Die erinnert uns jeden Tag daran, wie schön es ist, dass wir einander haben und wie privilegiert wir sind, bereits so lange verheiratet zu sein.

Wir brauchen auch keine Erinnerung daran, dass wir einander lieben.

Wie in jeder Ehe gibt es auch bei uns Auf und Abs – aber den Valentinstag brauchen wir wirklich nicht, um uns an das Schöne zu erinnern. Und schon gar nicht dazu, von anderem ein Geschenk zu erwarten. Mein Motto ist: tägliche Zuneigung, ein gutes Gespräch und hin und wieder eine kleine, wertschätzende Überraschung ohne Anlass.

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