Slow Food: Ein Trend nach unserem Geschmack

Warum Slow Food nicht nur gut fürs Gewissen und den Gaumen, sondern auch für unsere Gesundheit ist.
Slow Food
Foto: luchezar/getty images

Vor rund 30 Jahren überkam den Publizisten und Barolo-Freund Carlo Petrini unbändiger Zorn: An der altehrwürdigen Piazza Navona in Rom hatte eine McDonald’s-Filiale ihre Pforten geöffnet. Als Protest dagegen veranstaltete er ein öffentliches Spaghetti-Essen auf der Spanischen Treppe und gründete eine Vereinigung: Slow Food.

Buono, pulito e giusto – gut, sauber und fair

Den Maßstab der neuen Gastronomie definierte er kurz und knapp: „buono, pulito e giusto“ soll sie sein – gut, sauber und fair. Wenn ein Element fehlt, ist das laut Petrini nicht Slow Food.

Mittlerweile hat die Slow-Food-Bewegung 1 Million Unterstützer und 100.000 Mitglieder in 160 Ländern. Im Mittelpunkt stehen regionale und saisonale Produkte mit authentischem Charakter, die auf traditionelle oder ursprüngliche Weise hergestellt und genossen werden. Lebensmittel, die nach Slow-Food-Kriterien angebaut, produziert, verkauft oder verzehrt werden, sollen regionale Wirtschaftskreisläufe stärken und Menschen mit all ihren Sinnen an ihre Region binden.

Appell an die Sinne

Die Slow-Food-Bewegung verfolgt aber mit ebenso viel Einsatz eine Philosophie des Genusses und der Achtsamkeit beim Essen. Wenn man sich hungrig an den Tisch setzt, reagiert der gesamte Organismus. Auge und Nase beginnen die Speisen auf dem Teller bereits zu inspizieren, bevor man mit dem Essen begonnen hat.

Dafür brauchen die Sinne Zeit. Sich in Ruhe ansehen, was da auf dem Teller wartet – ein Moment der Stille. Und sich dann voll und ganz aufs Essen einlassen, ohne auf den Fernseher oder das Handy zu schauen. Sich jedem Bissen konzentriert widmen und gut kauen.

Lassen wir uns beim Essen zu wenig Zeit, verpassen wir den Sättigungspunkt.

Langsamer und bewusster zu essen hat aber auch gesundheitliche Vorteile. Schnelle Esser sind häufiger dick. Wissenschaftler an der Universität Osaka untersuchten die Ernährungsgewohnheiten von über 3.000 Probanden und fanden heraus, dass Schlinger ein dreimal so hohes Risiko für Übergewicht haben. Nach einer Studie der University of Rhode Island nehmen langsame Esser pro Mahlzeit über zehn Prozent weniger Kalorien zu sich. Das liegt daran, dass unser Gehirn erst nach 15 bis 20 Minuten registriert, dass wir satt sind. Lassen wir uns zu wenig Zeit, verpassen wir diesen Sättigungspunkt.

Slow tut gut

Auch der Stoffwechsel profitiert vom langsamen Essen: Wenn jeder Bissen mindestens 15-mal gekaut wird, ist er gut eingespeichelt und somit für den Verdauungstrakt bestmöglich vorbereitet. Last, but not least: In Ruhe zu genießen und den Geschmack der Speisen richtig wahrzunehmen baut Stresshormone ab – und das tut uns doch allen gut …

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