Daniela Razocher

Ich bin dann mal auf Informationsdiät

Wenn von Fasten und Enthaltsamkeit gesprochen wird, geht es meistens ums Essen. Doch um in der heutigen Zeit mental fit zu bleiben, ist es auch wichtig, wie viele und welche Informationen wir aufnehmen.
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Bild: Adam Birkett/Unsplash

Willkommen in Zeitalter der Reizüberflutung. Informationen – egal zu welchem Thema, egal ob seriöser Natur oder nicht – sind 24/7 nur einen Klick entfernt.

Kann es sein, dass unsere Wahrnehmung der Welt auch Einfluss auf unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit hat?

Wie viel Zeit verbringst denn du täglich mit dem Konsum von Nachrichten? Welchen Nutzen ziehst du daraus? Und wie beeinflussen diese Informationen die Entscheidungen, die du triffst?

Das Thema beschäftigt mich sehr, denn seit dem berühmten „Ibiza-Gate“ habe ich bemerkt, dass ich vermehrt Nachrichten auf diversen Kanälen – vor allem Twitter und Online-News – konsumiere.

Es ist kein Wunder, dass ich manchmal müde bin, wenn ich mich an den Tisch setze und kreativ und produktiv sein will. Denn ich habe meinen Kopf zuvor so derart abgefüllt mit Informationen, dass mein ganzes Sein damit beschäftigt ist, diese zu verdauen.

Und das, obwohl ich selbst eigentlich nichts gemacht habe. Außer eben auf den ach so interessanten Link zu klicken – und dann noch auf viele weitere. Das frisst nicht nur wertvolle Zeit, das scheint mir auch sehr ungesund.

Wenn der Kopf voll ist

Informationsaufnahme lässt sich ganz gut mit Ernährung vergleichen. Es gibt den Punkt, an dem es einfach zu viel ist. An dem nicht mehr genährt, sondern überfordert wird. Will sagen:

Mit Infos kann man sich ebenso „überfressen“ wie mit Chips oder Süßigkeiten. 

Doch um kreativ und produktiv zu sein, braucht’s eine Balance zwischen Input und Output. Dabei vergessen wir oft, dass der Körper in jeder Sekunde vielfältigste Signale für uns liest und decodiert. Und dass unsere Nervensysteme im permanenten Austausch mit der Umwelt stehen. Wenn wir sie dazu auch noch mit einem Zuviel an Information belasten, kann das leicht zu Überforderung führen.

Ein kleiner „Digital Detox“

Deshalb mache ich derzeit ein Experiment: Ich setze mich selbst auf eine leichte, alltagskompatible Informationsdiät. Sprich: Ich habe mein Smartphone zu einem „distraction-free phone“ reduziert, das heißt, ich habe alle Apps, die mich ablenken, deinstalliert. Nachrichten- und Social-Media-Apps zu entfernen funktioniert ebenfalls problemlos, und wenn es ums Googeln geht, muss ich eben ganz ohne Hilfsmittel stark bleiben. Denn das Ausforschen von Themen, die mich gerade beschäftigen, gehört zu den häufigsten Ablenkungen. Da werde ich wohl in den kommenden Wochen testen können, wie stark mein Wille wirklich ist.

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Foto: Dawid Zawiła/Unsplash

Mein „Digital Detox“ bedeutet übrigens nicht eine völlige Abschottung. Eine gute Ernährung ist ja auch nicht gleich Totalverzicht auf Nahrung, es geht darum, die besten und gesündesten Lebensmittel zu konsumieren – und zwar dann, wenn es passt.

Ich will ausprobieren, wie es ist, weniger Information in meinen Alltag zu lassen, und dabei geht es mir im Moment vor allem um einen vernünftigen Umgang mit dem Smartphone.

Die Technologie soll mich unterstützen, ich will ihr nicht hörig sein, ich will Entscheidungen frei treffen können.

Warum? Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es vor Jahren völlig okay war, E-Mails „nur“ zwei- bis dreimal am Tag zu checken und nicht dutzende Male – so wie es jetzt leicht passiert, wenn man für alles Pushnachrichten aufs Handy bekommt, die einen aus der Konzentration reißen und Aufmerksamkeit erheischen wollen.

Ich will auch mehr Zeit dafür haben, dass meine Gedanken spazieren gehen können, mehr Klarheit und Bewusstsein.

Von den Ergebnissen meiner Info-Kur werde ich euch demnächst berichten.

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