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Schreibcoaching für die Seele – 8 Tipps wie man Freewriting richtig macht

Nachgefragt bei Autorin und Freewriting-Coach Ursula Neubauer.
Schreibcoaching: Tagebuch schreiben
Bild: Karin Hackl
  1. Wie lange soll ich schreiben?
    „Ich stelle mir immer einen Wecker für zehn oder fünfzehn Minuten. Das ist genug Zeit, damit sich Dinge zeigen können, aber es ist kurz genug, dass ich es nicht als unendlichen Aufwand und großes Zeitinvestment empfinde. Es soll ja möglichst unkompliziert sein.“
  2. Wo schreiben Sie Ihre Gedanken auf?
    „Ich habe ein Notizbuch, in dem ich auch das Datum zu den jeweiligen Seiten notiere.“
  3. Und die liegen auf dem Nachtkästchen?
    „Meine Empfehlung wäre: nicht neben dem Bett liegen lassen, sondern in einer Schublade oder gleich in einem anderen Raum. Ich bringe gern ein bisschen Abstand zwischen mich und die verschriftlichten Gedanken. Denn die Übung soll ja entlasten.“
  4. Gehen Sie gleich nach dem Schreiben schlafen?
    „Das Schreiben kann ruhig noch ein bisschen nachwirken. Nicht immer, aber wenn etwa eine Erkenntnis hochkommt während des Schreibens, dann ist es gut, wenn ich dieser noch kurz Raum gebe. Damit sie nicht erst wieder unendlich weiterrattert. Ich genehmige mir einen Tee, lasse die Gedanken sickern, erst dann lege ich mich hin.“
  5. Kann jeder schreiben?
    „Ja. Am Anfang hört man oft noch den eigenen Deutschprofessor im Kopf: „Man darf einen Satz nicht mit ‚und‘ anfangen“, „Wortwiederholungen vermeiden!“, und ähnliche Regeln. Das ist aber bei dieser Art des Schreibens völlig egal. Es geht nicht darum, dass ein gutes Textprodukt herauskommt, sondern es geht um den Prozess. Es gibt kein Richtig oder Falsch.“
  6. Muss ich jeden Abend schreiben?
    „Nein. Wichtig ist ja, dass man sich beim Schreiben keinen Druck macht. Daher muss es auch nicht jeden Abend sein – halt dann, wenn man’s braucht. Es ist für dich, und nur für dich!“
  7. Und wenn ich fertig geschrieben habe, hör ich einfach auf? Das war’s dann?
    „Heft zuklappen. Das ist eigentlich genug. Was man aber auch machen kann, wenn man sich eine Art Abschluss wünscht: Noch einmal auf das Papier schauen und sich spontan ein Wort herauspicken, das einem ins Auge springt. Überlegen, ob man sich dieses spezielle Wort auf einem Extrazettel mitnehmen mag in den nächsten Tag oder ob man es loswerden will – also aufschreiben, zerknüllen, in den Papierkorb werfen, zerreißen … was auch immer. Das manifestierte Loslassen kann sehr guttun.
  8. Ich kann gut einschlafen, wache aber in der Nacht auf …
    „Da hilft Schreiben auch. Eine meiner Klientinnen hatte wegen einer Krankheit starke Sorgen und ist deswegen oft aufgewacht. Da hatte sie ein Notizbuch neben dem Bett liegen und hat geschrieben, um weiterschlafen zu können.“

Mag. Ursula Neubauer arbeitet als Autorin („Schau gut auf dich“, Goldegg Verlag), Trainerin und Freewriting-Coach in Wien. ursulaneubauer.at

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