Astrid Wecht

Zurück in die Gegenwart

Die Zeit rast dahin und wir hetzen nach. Doch wenn wir bewusst im gegenwärtigen Moment leben, steht sie fast still. Also auf in die Gegenwart und das Zeitkonto aufladen!
Zurück in die Gegenwart
Foto: Eli DeFaria / Unsplash

Oh
Augenblick, verweile doch! Doch technisch gesehen, können wir die Zeit nicht
verlangsamen – und die klugen Erfindungen dazu lassen auf sich warten. Was wir
allerdings tun können: Die gefühlte Zeit verlangsamen. Je mehr wir unsere Aufmerksamkeit
auf die gegenwärtige Erfahrung richten, desto bunter und lebendiger wird unser
Leben. Mit unserer bewussten Wahrnehmung kosten wir jeden Moment, jede Sekunde
des Lebens aus. Das gefühlte Zeiterlebnis verlangsamt sich.

„Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht!“ Kennst du dieses Gefühl?“

Dieses
Bewusstsein, dieses Im-Moment-sein zu schärfen, ist reine Übungssache.  Mit den folgenden Übungen kannst du
erforschen, was dich am besten entschleunigen lässt.

Aktiv ins Jetzt eintauchen

Um in den gegenwärtigen Moment zu kommen und zu bleiben, kannst du ein Werkzeug nutzen, das immer verfügbar ist: dein Atem

  • Schließe die Augen und nimm deinen
    Körper von den Zehenspitzen bis zum Scheitel bewusst wahr
  • Bring deine Aufmerksamkeit auf den
    natürlichen Fluss deines Atems
  • Beobachte, wie die kühle frische
    Luft durch die Nasenöffnung in deinen Körper fließt und ihn angenehm
    durchströmt
  • Beim Ausatmen gibst du Anspannung
    und störende Gedanken ab
  • 5-10x wiederholen

Anschließend öffne deine Augen und achte auf alle Details um dich herum: Was siehst du? Lausche die Geräusche. Kannst du einen Duft wahrnehmen? Gibt es Empfindungen auf deiner Haut, etwas einen Luftzug? Nimm das vielfältige Meer der gegenwärtigen Eindrücke wahr und tauche ein.

Bewusste Sinnlichkeit

Meistens
ist der Tag durchgetaktet, unsere Routinen laufen ganz automatisch ab. Am Abend
fragen wir uns dann: „Was habe ich eigentlich den ganzen Tag gemacht?“ Wahrscheinlich
erinnern wir uns nur an einen kleinen Bruchteil der Geschehnisse und wir haben
das Gefühl, der Tag ist verloren. Wie schade. 

Indem wir beginnen, unsere Aktivitäten bewusst mit allen Facetten unserer Sinne zu erledigen, sind wir ganz im Moment. Die Zeit wirkt nicht mehr verloren. Im Gegenteil, wir haben Zeit gewonnen für wohltuende, einprägende Augenblicke. Nehmen wir zum Beispiel die morgendliche Tasse Kaffee oder Tee. Anstelle diese Gewohnheit nebenbei zu erledigen, kann man sie zu einem sinnlichen Erlebnis werden lassen: Wie sieht die Tasse aus?  Wie fühlt sie sich an? Wie hältst du sie in der Hand? Welche Geräusche begleiten dich? Wie riecht der Kaffee oder Tee? Wie entfaltet sich das Aroma im Mund? Und wie fühlt sich die Wärme im Bauch an?

Der Zauber der Kinderaugen

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als meine Kinder das erste Mal die Pusteblume, also Löwenzahn, entdeckten. Sie konnten gar nicht genug bekommen, das Pflänzlein zu erforschen und die kleinen weißen Flugschirmchen durch die Luft gleiten zu lassen. Dabei wurden die verschiedensten Techniken ausprobiert: blasen, schütteln, drehen bis hin zum Geschmackstest. Herrlich diese lebendige Freude und Selbstvergessenheit, die sie dabei versprühten.

Wir Erwachsenen haben schon viel erlebt und gesehen. Uns zu beeindrucken ist gar nicht so einfach. Doch was, wenn wir wieder beginnen, die Dinge mit Kinderaugen zu betrachten? Statt sich ferngesteuert dem Alltagstrott hinzugeben, einfach neugierig das gewohnte Umfeld erkunden. So, als würden wir es zum allerersten Mal sehen. Das bringt uns ins Hier und Jetzt und verleiht unserem Leben neuen Zauber – der manchmal vom Moment in die Zeitlosigkeit führt.

Step by Step: Bewusst durchs Leben zu gehen, das ist ein Lernprozess. Beginne mit kleinen Schritten, geduldig und mit liebevoller Disziplin. Du wirst merken, je öfter du im gegenwärtigen Moment bist, umso entschleunigter erlebst du den Alltag. Die Uhr tickt zwar weiter und doch hast du Qualitätszeit gewonnen.

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