Melanie Pignitter

Warum Alleinsein so wichtig für unser Wohlbefinden ist

Melanie Pignitter findet, dass Alleinsein zu Unrecht einen verdammt schlechten Ruf hat.
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Bild: Getty Images/ milos-kreckovic

Wann war ich eigentlich das letzte Mal so richtig alleine? Eine scheinbar einfache Frage, die mich aber ordentlich zum Grübeln brachte.

Mit wirklich Alleinsein meine ich: kein Fernseher, kein Smartphone, kein Radio, kein Partner, keine Freundin, die mir von Alltagserlebnissen erzählt, keine E-Mails und kein Telefonat.

Ich kam zu dem Ergebnis: Das ist schon eine ganze Weile her.

Vielen von uns geht es bei der Beantwortung dieser Frage womöglich ähnlich. Die meisten Menschen tun sich schwer damit, ihr Bedürfnis nach Abgeschiedenheit überhaupt wahrzunehmen.

Manchen graut es sogar davor, Zeit mit sich selbst zu verbringen.

Nicht nur die Hektik des Alltags und unsere schnelllebige Welt sind dafür ausschlaggebend, sondern auch unser Umfeld bzw. die Gesellschaft. Das liegt auch daran, dass Alleinsein einen verdammt schlechten Ruf hat. Nur wenige Menschen lassen sich gerne ohne Begleitung in der Öffentlichkeit blicken. Die Angst, als Außenseiter oder gar als Spinner wahrgenommen zu werden, ist einer der Gründe.

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Bild: Filip Cernak/Unsplash

Ein zusätzliches Hindernis ist wohl die Menge der Verpflichtungen und Aufgaben sowie das tägliche Social-Media-Programm, das in Summe schon mal zwei bis drei Stunden unserer Wachzeit am Tag fressen kann. Bei all diesen Ablenkungen und To-dos stellen wir die Zeit mit uns, die sogenannte „Me-Time“, hinten an. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, wie viele positive Effekte das Alleinsein mit sich bringt.

Geschenke des Alleinseins

Das Resultat qualitativer Ich-Zeiten sind Glücksgefühle, die unser Leben nachhaltig positiv beeinflussen. Schon klar: Je nach Typ ist das Bedürfnis nach Einsamkeit unterschiedlich ausgeprägt. Es ist aber auch so, dass man bewusstes Alleinsein erlernen kann.

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Bild: Estée Janssens/ Unsplash

Und hier sind auch schon die Gründe, warum wir damit beginnen sollten mehr Ich-Zeiten in unsere Kalender einzutragen:

  • Beim Alleinsein entspannt sich sowohl der Körper als auch das Gehirn. Die ablenkungsfreie Zone versorgt uns also mit neuer Energie. Wir sind anschließend wieder konzentrierter und produktiver.
  • Wer lernt, auch alleine durchs Leben zu gehen, bekommt meist ein sehr rasch einen guten Zugang zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Im Alltag richten wir uns oft darauf aus, was andere von uns erwarten. Durch das Alleinsein wird uns bewusst, was wir selbst denken, fühlen und brauchen. Wir erfahren also auch, wonach wir uns wirklich sehnen und welche Wünsche noch in uns schlummern.
  • Während Einsamkeit mit ein Grund für depressive Verstimmungen sein kann, ist bewusste Ich-Zeit sogar eine Form der Medizin und hilft, Stimmungstiefs vorzubeugen.
  • Alleinsein führt auch häufig dazu, dass unsere Kreativzellen wieder zum Leben erwachen. Während wir im hektischen Alltag bildlich gesprochen immer ein vollgekritzeltes Blatt Papier vor uns haben, ist das Blatt beim Alleinsein weiß. Kreativität braucht Platz. Und diesen Platz finden wir häufig, wenn wir ganz mit und bei uns sind.
  • Alleinsein stärkt das Selbstvertrauen. Durch die Me-Time lernt man sich selbst nicht nur besser kennen, sondern man lernt sich selbst auch mehr zu schätzen. Die eigene Gesellschaft wird immer angenehmer. Außerdem erlernt man sich nicht mehr ausschließlich vom positiven Feedback seiner Mitmenschen abhängig zu machen.

Mehr Zeit für mich

Coole Sache, aber was tun, wenn die Zeit an allen Ecken und Enden ohnehin schon zu knapp ist? Ein gutes Zeitmanagement muss her! Denn wenn ich meine Ich-Zeit nicht bewusst und wie einen Termin in den Kalender eintrage, findet sie so gut wie nie statt.

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Bild: Kristopher Roller/ Unsplash

Daher plane ich bereits eine Woche im Voraus. Ich trage mir dabei mindestens ein bis zwei volle Stunden in den Kalender ein und priorisiere diesen Termin durch das Schlagwort: WICHTIG. Ist der Kalender bereits knallvoll, so gehe ich die To-dos der Woche durch und halte mir folgende Frage vor Augen: Was davon kann ich streichen, weil es nicht so wichtig ist wie ich? Mit diesem Schema verabschiede ich mich dann vorerst von einigen Verpflichtungen, die gar nicht so dringlich sind, wie man sich gerne weismachen möchte.

Und was fange ich dann mit mir allein an? Vor ein paar Jahren hätte ich diese Frage tatsächlich noch nicht beantworten können.

Mittlerweile fallen mir tausend Dinge ein. Ein gutes Zeichen dafür, dass man Alleinsein trainieren und mit der Zeit immer besser genießen kann. Hierzu ein paar Anregungen:

  • Sich mit einem Notizblock in ein gemütliches Café setzen und den eigenen Gedanken lauschen.
  • Ein Waldspaziergang, bei dem auch Bäume umarmen erlaubt ist.
  • Der Besuch einer Ausstellung.
  • Den Fotoapparat schnappen und achtsam durch die Gassen und Wege in der Umgebung spazieren.
  • Ein langes heißes Bad nehmen.
  • Sich selbst bekochen.
  • Sich von Musik berieseln lassen.
  • Eine Meditation oder eine Fantasiereise machen.
  • Eine Collage basteln, die die persönlichen Wünsche für die Zukunft darstellt.
  • Meinen Blog lesen.

Fazit

Regelmäßige Dates mit sich selbst sind ein wunderbarer Schritt um eine erfülltere Beziehung mit dem wichtigsten aller Menschen zu führen: dir selbst.

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