Was Kickboxen wirklich ist (und was nicht)

Bei Kickboxen handelt es sich nicht gerade um den elitärsten Sport. Warum längst mit diesem Mythos aufgeräumt werden muss, weiß Kickbox-Profi Tom Bencsik.
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Bild: Getty Images

Windschiefe Nasen, hypermaskuline Kämpfer, ein zwielichtiges Umfeld – das alles sind vorurteilsbehafteten Bilder, die in vielen Köpfen entstehen, wenn man vom Kickboxen spricht. Seinerzeit entwickelte er sich aus den Techniken des Karate, Taekwondo, Thaiboxen und Boxen. Ziel sind zwar Körpertreffer mit dem Fuß oder der Faust – aber wie weit man da gehen möchte, das bestimmt jede und jeder selbst: „Friedfertige“ können mit Schlagpolster, Boxsack oder dem Trainer arbeiten, für „Kampflustige“ besteht die Möglichkeit, sich nach dem Aneignen der richtigen Technik und der strengen Regeln, im Wettbewerb mit anderen zu messen.

Kampfsport-Training fördert die Fokussierung und das lösungsorientierte Denken.

Tom Bencsik, Kickbox-Trainer

Profi Tom Bencsik über die Vorteile seines liebsten Sports

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Trainer Tom bei der Arbeit Bild: Christian Dusek

Tom ist mehrfacher Staats- und Vizestaatsmeister im Kickboxen und Thaiboxen, Verbandstrainer für das Österreichische Nationalteam, Mentaltrainer und klinischer Psychologe mit den Schwerpunkten Gesundheit, Sport und Kriminalpsychologie. Und auch er hat einmal klein angefangen: „Als Bub, eher bewegungsarm und etwas pummelig, bin ich immer wieder in Konflikte geraten. Judo hat mir damals geholfen, mental stärker zu werden. Denn Kampfsporttraining fördert die Fokussierung und das lösungsorientierte Denken. Daher war es dann als Erwachsener meine große Motivation, weiterhin Kampfsport, in diesem Falle Kickboxen, zu betreiben und dazu Psychologie zu studieren. Mir hat die Kombination aus Körper und Geist sehr gut gefallen“, erzählt Tom Bencsik, der bei „Mindkick“ Frauen wie Männer unterrichtet.

Und was gibt ihm „sein“ Sport nach so vielen Jahren immer noch? „Ein großes Wohlgefühl. Egal, in welchem Zustand ich ins Training gehe, danach fühle ich mich leicht und frei. Ein Gefühl, das mir in dieser Form kein anderer Sport ermöglicht. Das möchte ich mit nichts tauschen. Kein Ferrari ist so geil, wie das Gefühl nach einem Kickbox-Training. Auch nach all den Jahren fühle ich mich immer noch so. Dieses Gefühl weitergeben zu können, macht mich sehr glücklich.“ Und einige Vorteile entkräften zu können, das sicherlich auch.

Egal, in welchem Zustand ich ins Training gehe, danach fühle ich mich leicht und frei.

Tom Bencsik, Kickbox-Trainer

3 bekannte Mythen rund ums Kickboxen

„Der Sport macht aggressiv.

Ich mach’ dich kickbox? Das Gegenteil ist der Fall. Früher wurden Schlägereien, bei denen mit Händen und Füßen gekämpft wurde, fälschlicherweise als Kickboxen interpretiert. Fakt ist: Menschen, die regelmäßig Kickboxen, werden ruhiger, ausgeglichener und friedlicher. Das belegen auch Studien und Statistiken. Davon abgesehen: Kickboxen ist ein Sport, es gibt – wie in jedem anderen Sport auch – Regeln. Nach diesen Regeln muss man sich richten. Sinnbefreites Draufhauen gehört zu keiner dieser Vorgaben.

„Das sind alles Schläger. Das ist nichts für Frauen
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Bild: Lucy Dunne/ Unsplash

„Immer wieder sagen Frauen, dass sie diesen Sport ausüben wollen. Sie sind neugierig. Vorbehalte kommen dann oft aus dem Umfeld – dass es ein Männersport sei, dass das Aussehen beeinträchtigt wird – zum Beispiel die berühmte schiefe Nase“, meint Tom. Recht hat er, denn Tatsache ist, dass Kickboxen ein männerdominierter Sport ist. „Deshalb haben wir gerade ein Fitness-Kickbox-Studio für Frauen gegründet. Damit sie den Sport in Ruhe und in angenehmer Atmosphäre ausüben können. Und das Feedback ist äußerst positiv.“ Warum? Fitness-Kickboxen – am Sandsack und Schlagschule ausschließlich mit dem Trainer – ist sehr „empowering“ – man fühlt sich befreit, stark, wohl und entspannt nach einem Training. Ziel ist in erster Linie die namensgebende Fitness, das Auspowern, sowie Stress- und Aggressionsabbau. Netter Nebeneffekt: Man wird selbstbewusster.

„Es ist gefährlich“
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Bild: Luka Malic/ Unsplash

Jeder Sport kann von Anfängern erlernt werden – wichtig ist, eine gute Einschulung zu erhalten. „Persönliche Betreuung halte ich deshalb gerade beim Kickboxen für sehr, sehr wichtig“, so Tom. Denn, wer die Technik nicht oder falsch erlernt, tut sich kurz-, mittel- und langfristig nichts Gutes. Wenn man die Technik grundsätzlich richtig macht, passieren keine Verletzungen. Auf Befindlichkeiten wie Müdigkeit oder Vorbelastungen etc. gilt es, wie in jedem anderen Sport auch, zusätzlich zu achten. Und auf die richtige Schutzkleidung natürlich.

Das bringt Kickboxen

  1. Eine Auszeit vom Alltag: Man kann eine Stunde – und die vergeht wie im Flug – komplett abschalten. Und in einer Zeit, in der „Zeit“ Mangelware ist, kann man komprimiert, ein sehr effizientes Ganzkörpertraining absolvieren, in dem Schnelligkeit, Koordination, Ausdauer und Kraft im Fokus stehen.
  2. Ein Full Body Workout: Von Rumpf- und Seitenmuskulatur, Rücken- und Nackenmuskulatur bis hin zu Bauch, Bein und Po – wenn man regelmäßig trainiert, bekommt man eine wirklich schöne Figur.
  3. Mentale Benefits: Das glaubt man wahrscheinlich nur, wenn man es probiert hat – aber tatsächlich minimiert Kampfsport Aggressionen. Er vermittelt Respekt, Disziplin und baut Stress sehr schnell ab.
  4. Empowerement: Kickboxen vermittelt gerade Frauen ein gutes Gefühl. Man ist ganz bei sich, fühlt sich stark und selbstbewusst.
  5. Last but not least: Durch den Aspekt der Selbstverteidigung wirkt das Kickboxtraining auch diversen Ängsten entgegen. Im Fall der Fälle ist man einfach besser gewappnet. Auch mental.
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