Katharina Kropshofer

Die Nase vorn

Katharina Kropshofer kann den Besitzer verlorener Jacken erschnüffeln. Du auch?
Hundenase
Foto: K. Thalhofer / getty images

Etwa 400 Geruchsrezeptoren befinden sich in unserem Gehirn, einige Millionen in unserer Nase. Klingt nicht unbedingt als hätten wir ein Handicap, was den Geruchssinn angeht.

Duftende Erinnerung

In mancher Hinsicht wissen wir ob dieser Stärke. Wer kennt das nicht: Man geht an einer fremden Haustür vorbei, und plötzlich versetzt einen der Geruch zurück in Omas Küche, in der unsere Leibspeise wartet; wir riechen frisch gemähtes Gras und denken sofort an den letzten Sommer; mit Zimt assoziieren wir Weihnachten.

Schnüffel-Expertise

Wir wissen auch, dass der Geruchssinn im Gehirn sehr stark mit dem Erinnerungssinn verbunden ist – deshalb also die Oma-Assoziation. Eine der ersten Symptome einer Alzheimer-Erkrankung ist etwa auch der Verlust des Geruchssinns. Aber wenn es darum geht, olfaktorische Details, wie die genaue Zusammensetzung von Chanel N° 5, Drogen in Koffern oder Trüffeln unter der Erde zu erschnüffeln, geben wir die Verantwortung gerne an „Experten“ wie Hunde ab (die etwa 230 Millionen Riechsinnzellen in ihrer Nase haben).

Ich war immer der Meinung, einen recht guten Geruchssinn zu haben. So fällt es mir zum Beispiel nicht besonders schwer, eine Note von Grapefruit in Bier zu erkennen, die Gesellschaft mancher, für mich seltsam riechender Menschen, ist für mich kaum zu ertragen, und manchmal kann ich den Besitzer einer Jacke, die bei Partys oder Abendessen liegen bleibt, per Nase ermitteln. Schon als Kind wurde mir jedes Kraut mit der Begleitfrage „Was ist das?“ unter die Nase gehalten. Wehe, wenn ich den Oregano fälschlich als Majoran benannte! Riechen wir also wirklich so schlecht, oder können wir den Geruchssinn vielleicht sogar trainieren?

Menschen können eine Trillion verschiedene Gerüche auseinanderhalten.

Vor kurzem sprach ich mit dem Neurowissenschaftler John McGann, der an der US-amerikanischen Rutgers Universität forscht. Er hatte ein interessantes wissenschaftliches Paper mit dem Titel „The human sense of smell: It’s stronger than we think“ herausgebracht. Dass der menschliche Geruchssinn schlecht ist, sei nur ein Mythos. Man könnte ihn sogar mit dem von Hunden oder anderen Tieren vergleichen. So schreibt er, dass Menschen eine Trillion verschiedene Gerüche auseinanderhalten können, nur einfach andere als Tiere aufgrund unserer verschiedenen Lebensumstände – eigentlich nicht verwunderlich, oder hast du schon einmal einen Labrador gesehen, der gerne Bananen frisst?

Außerdem fehlen uns wohl die richtigen Bezeichnungen für all diese Nuancen und vermutlich auch der Wille, die Geruchfunktion besser zu trainieren. Denn wer will schon seine Nase wie Hunde an den Boden oder andere Gegenden halten (die jetzt nicht beim Namen genannt werden müssen).

Ran ans Basilikum

Fakt ist: Unser Geruchssinn spielt eine riesige, vielleicht unterbewusste Rolle in der Art, wie wir mit anderen interagieren, Partner oder unser präferiertes Essen aussuchen. Klar, Szenen wie aus „Das Parfüm“ sind (zum Glück) unwahrscheinlich. Aber vielleicht hilft das persönliche Geruchstraining, das bei mir schon im Kindesalter ohne große Agenda gestartet wurde. Das Innehalten und Inhalieren, das Basilikum-zwischen-den-Fingern-Reiben, das unter-die-Nase-Halten… Riechst du es schon?

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