Was Boxen wirklich ist – und was nicht

Der Boxsport fasziniert seit Jahrhunderten aufgrund seiner rohen Körperlichkeit. Aber was steckt wirklich hinter dem intimen Faustkampf?
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Illustration: gmast3r / getty images

Boxen ist eine aufregende, adrenalingeladene Sportart, egal ob im Ring oder – angereichert mit Ausdauer- und Kraft-Elementen – im Gym: Gerade „Fitnessboxen“ boomt dieser Tage – und das vor allem bei Frauen. Sicherlich ist dieser Sport auch mit Schmerzen, Körperkontakt und dem Verlassen der eigenen Komfortzone verbunden. Doch wer bloß zum Aggressionsabbau auf Säcke und Gegner eindreschen will, ist hier fehl am Platz.

Mehr als plumpes Draufhauen

Tatsache: Boxen, egal ob in der Fitness-Variante oder im tatsächlichen Ring-Kampf, unterliegt strengen Regeln und schult so neben der körperlichen Fitness auch Konzentration und Koordination. Dabei ist Ratio ebenso gefragt wie Durchhaltevermögen. Wir haben bei der amtierenden Weltmeisterin im Leichtgewicht, Nicole Wesner nachgefragt, was hinter dem Klischee steckt. Sie beschreibt Boxen als „magische Sportart“ die ihr Leben auf den Kopf gestellt hat  – so dass sie sogar ihre Managementkarriere hinschmiss, um Profi-Boxerin zu werden:

Wahrnehmung und Realität driften bei Leuten, die sich mit der Sportart nicht befassen, sehr auseinander. Der Boxsport vermittelt wichtige und wertvolle Eigenschaften wie Selbstdisziplin, Impulskontrolle und Respekt vor dem Gegner.

Und wir lernen, sie im Boxring sinnvoll ein- und umzusetzen. Wesner: „Übrigens alles Eigenschaften, die uns auch im alltäglichen Leben weiterbringen.“

Was Boxen nicht ist:

Zwei aufeinander einprügelnde Menschen: Es geht um die Technik des Schlagens und Verteidigens. Und um Aufmerksamkeit. Für jeden Angriff gibt es auch eine Verteidigungstechnik.  Im Grunde ist es also durchaus dem Tennis: Bei einem Tennis-Match wird der Ball dahin geschlagen, wo der Gegner nicht steht. Beim Boxen wird die Hand dahin geschlagen, wo die Deckung gerade nicht ist. Ist der Angegriffene aufmerksam, sieht er es rechtzeitig und verteidigt sich mit der gelernten Technik. Manche Personen fühlen sich im Fitnessboxen wohl und manchen nie ein Sparring. Andere möchten dies auch mal ausprobieren. Sie haben alle Angriffs- und Verteidigungstechniken gelernt und vergleichen sie im Ring.

Ein Mittel zum Aggressionsabbau: Vielleicht kommt es in Einzelfällen dazu, dass Personen angestaute Aggressionen kanalisieren. Die Regel ist das aber nicht. Personen, die mit Boxen beginnen, sind gemeinhin Menschen, die das abwechslungsreiche Training – bestehend aus Technik, Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Reaktion etc. – schätzen.

Ein reiner Männersport: Gibt es so etwas tatsächlich? Einen Sport nur für Männer oder nur für Frauen? Ob eine Frau Weiblichkeit ausstrahlt, hängt vor allem von ihrer inneren Einstellung und von ihrem Selbstbewusstsein ab, nicht von der Sportart, für die sie sich begeistert.

Wer boxt, wird Schmerzen erleiden: Blaue Augen, dicke Nasen? Profi-Boxerin Wesner meint, dass es im richtigen Ring oft schlimmer aussieht, als es ist. Aber: das ist der Profi-Boxport. Die wenigsten Hobby-Boxer betreiben tatsächlich Sparring oder tragen einen echten Kampf aus. Bis auf einen ordentlichen Muskelkater tut da gar nichts weh.

Also: Was ist Boxen?

  • Etwas für Gehirnsportler und Strategen: Zwei Personen messen ihre technisch- taktische Fähigkeiten unter gleichen Voraussetzungen.
  • ein perfektes Ganzkörpertraining für Körper und Geist
  • eine Möglichkeit sich mit seinem Körper anzufreunden und ihn näher kennenzulernen. Große Menschen werden anders kämpfen als kleine, leichte anders als schwere, ältere anders als junge.
  • Ein Weg, an Herausforderungen zu wachsen und letztlich körperlich und mental gestärkt heraus zu kommen.
  • Top für die Ausdauer und eine Möglichkeit, die Springschnur schätzen zu lernen.

Keine Lust auf Boxen? Hier liest du: Was Yoga wirklich ist (und was nicht)

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