Was ist Feldenkrais?

Bewegungsabläufe erspüren und das Gehirn auf positive Weise umprogrammieren – das macht die Methode von Moshé Feldenkrais.
von Heidi List | 31. Juli 2019
Nacken
Foto: peopleimages / getty image

Es war bei einem Abendessen mit einem Freund, als sich mir eine neue Welt eröffnete. Ich war nach einem vollen Tag zu dem vereinbarten Treffpunkt gehetzt. Er blickte mich an und meinte: „Du kommst schief daher. Bist du viel gesessen?“ Ich bejahte das. Dann ließ er mich folgende Übung machen: Ich sollte die Finger meiner beiden Hände in einander verschränken. Und dann noch einmal, nur dass die Finger sich anders verschränken, so dass es sich „unnatürlich“ anfühlt. Dann noch einmal normal. Je öfter ich es machte, desto weniger gab es gefühlsmäßig eine normale oder abnormale Art, die Finger der beiden Hände ineinander zu verschränken. Mein Nacken entspannt sich, ich wurde ruhiger. Es war erstaunlich.

Eine Reise in die eigene Bewegung

„Das war Feldenkrais!“, meinte mein Freund. Und berichtete über den israelischen Physiker Moshé Feldenkrais. Er hat erforscht, wie die Bewegung des Menschen sich entwickelt. Wie das Nervensystem des Menschen Bewegung organisiert. Und wie der Mensch Bewegung erlernt. Mit diesem Erspüren von Bewegungsabläufen und dem Erlernen von Techniken, wie man das Gehirn für sich positiv umprogrammieren kann, ist dem Menschen in vielen Bereichen geholfen.

Erspüren von Bewegungsabläufen

Es gibt zwei Arten, die Methode auszuüben. Die sogenannte funktionale Integration ist eine Einzelbehandlung. Die Klienten liegen auf der Liege und werden bewegt. So kann Bewegung erlebt werden, ohne sie selbst auszuüben. Mittels feiner Berührungen und Bewegungen wird der Haltetonus untersucht. Die Klienten lernen wahrzunehmen, wie sie sich gewohnheitsmäßig bewegen. Zusätzlich werden neue Varianten in der Bewegungsorganisation zugänglich gemacht, so dass sich aus „eingefleischten Verhaltensweisen“ eine neue „sensomotorische Gestalt“ –  und ein erweitertes Selbstbild herausbilden können. Dadurch verändert sich die Spannung der unwillkürlichen Muskulatur positiv.

Im Gruppenunterricht wird Bewusstsein durch Bewegung gelehrt. Hier profitieren die Klienten zusätzlich vom Austausch zwischen den Gruppenteilnehmern.

Ganzheitlich lernen

Geeignet ist die Methode für – alle. Sei es im orthopädischen Kontext, in dem man lernt, sich auf eine bestimmte Weise zu bewegen oder eben nicht mehr zu bewegen, um eventuelle Schwachstellen im Körper zu entlasten.

Bei Kindern wird sie angewandt, um durch die Körperbeobachtungen soziales Lernen zu fördern. Seniorinnen und Senioren profitieren von den Übungen, genauso wie Sporttreibende, Berufstätige, die womöglich viel sitzen und viele mehr. Feldenkrais ist also ein Weg zu ganzheitlichem Lernen. Zur Entspannung, natürlicher Beweglichkeit und einem besseren Umgang mit den eigenen Ressourcen. Und unabhängig vom Alter und auch körperlichen Voraussetzungen fördert Feldenkrais die Kreativität im Denken und Handeln. Und das führt zu mehr Wohlbefinden und Erholung. Und einem weniger schiefen Erscheinungsbild nach einem langen Arbeitstag.

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