Lachen ist gesund

Lachen ist gesund – eine Spurensuche in unserem Innersten

Seit über fünfzig Jahren beschäftigt sich eine eigene Wissenschaft ganz ernsthaft mit dem Lachen. Alles über den Zwischenstand der Erforschung eines menschlichen Rätsels.

  1. 16 Gründe, warum Lachen gesund ist
  2. So gesund ist Lachen: 7 wissenschaftliche Fakten
  3. Wie hole ich mir mein Lachen zurück? 5 Fragen an die Lachexpertin
  4. Warum ist Lachen ansteckend?
  5. Lachen ist die beste Medizin: Von Patch Adams bis zu unseren Cliniclowns
  6. Weisheiten und Zitate über das Lachen

16 Gründe, warum Lachen gesund ist

  1. Mit 100 km/h schießt die Luft beim Lachen durch die Lunge und bringt dabei die Stimmbänder zum Schwingen.
  2. 50 kcal verbrennt echtes und herzhaftes Lachen in nur zehn Minuten.
  3. 3- bis 4-mal mehr Sauerstoff als sonst wird beim Lachen von der Lunge verarbeitet.
  4. Menschen mit Lachfalten neben den Augen werden als intel­ligenter und attraktiver beurteilt.
  5. Unser Herz schlägt schneller, wenn wir lachen. Die Sauerstoffversorgung steigt, der Stoffwechsel wird angeregt. Wenn wir fertig gelacht haben, werden Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin abgebaut, und das Glückshormon Endorphin wird ausgeschüttet. Wir fühlen uns erschöpft, aber entspannt und glücklich.
  6. 20 Sekunden Gelächter regen das Herz- Kreislauf-System so sehr an wie drei Minuten schnelles Rudern.
  7. Unser Gehirn schüttet automatisch Glückshormone aus, wenn wir unser Gesicht zum Lächeln bringen.
  8. Die Blutgefäße werden beim Lachen erweitert. Es fördert damit die Durch­blutung und senkt den Blutdruck.
  9. Das Herz­infarkt­risiko ist bei Menschen, die häufig lachen, um 50 Prozent niedriger.
  10. Die Verdauung wird durchs Lachen angeregt.
  11. Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen werden durch Lachen gelindert.
  12. 1 Minute Lachen ist so erfrischend wie 45 Minuten Entspannungstraining.
  13. In Stressberufen sei Humor „eine völlig unter­ schätzte Ressource“, sagt Sozial­pädagoge Prof. Herbert Effinger aus Dresden. Bestes Beispiel: Pflege­berufe. Wer mit menschlichem Leid zu tun habe, verbiete sich oft das Lachen. Dabei sei eine humorvolle Atmosphäre für Patienten und Personal gleichermaßen günstig.
  14. Das Schmerz­empfinden wird bei herzhaftem Lachen um bis zu 30 Prozent gesenkt. Der Zürcher Humorforscher Willibald Ruch setzte 77 Testpersonen in Eiswasser. Jene, die echtes Lachen oder Lächeln zeigten, harrten länger aus.
  15. Die Tränen­drüsen werden beim Lachen aktiviert. Deshalb kriegt man dabei auch oft feuchte Augen.
  16. Die Lachtherapie wurde vom Wissenschaftsreporter Norman Cousins, der an einer äußerst schmerzhaften Rückenmarks­erkrankung litt, entdeckt, indem er lustige Filme ansah. Dabei bemerkte er: Nach zehn Minuten herzhaftem Lachen konnte er zwei Stunden schmerzfrei schlafen.
Bild: Tina Herzl

8 wissenschaftliche Fakten über das Lachen, die dich überraschen werden

von Martina Bachler

Frauen lachen öfter als Männer

Über Monate ging Marc Mehu in Restaurants und Bars, suchte sich einen Platz, von dem aus er den Raum gut überblickte, und zückte Zettel und Stift. Der Belgier machte das für seine Doktorarbeit. Er saß also da, trank, beobachtete und notierte. Vor allem aber zählte er. Er zählte die Männer und die Frauen im Raum. Er zählte, wie groß die Gruppen waren, die sie bildeten. Und er zählte, wie oft Männer und Frauen jeweils lachten.

Was er entdeckte: Je größer die Gruppen waren, desto mehr wurde gelacht (mehr in: Warum ist Lachen ansteckend?). Und unabhängig von der Gruppengröße: Frauen lachten mehr als Männer. Mit Untersuchungen wie diesen versuchte Marc Mehu, heute Professor für Psychologie an der Wiener Webster University, besser zu verstehen, was es mit dem Lachen eigentlich auf sich hat.

Lachen aktiviert 135 Muskeln im Körper

Siebzehn Muskeln werden beim Lachen allein im Gesicht aktiviert – und zwar blitzschnell: Den Anfang machen die Muskeln um die Augen herum. Es folgen Zygomaticus major, der uns die Mundwinkel hochzieht, und seine Kollegen der Mundmuskulatur, Halsmuskeln, Bauch- und Rippenmuskeln sowie das Zwerchfell.

Wir brauchen ein paar Monate, um lachen zu lernen

Lachen. Das ist eine jener Ausdrucksfähigkeiten, die Menschen haben, egal ob sie wollen oder nicht – so wie Weinen, nur lustiger. Auf Ultraschallbildern sieht man sogar schon Embryos lächeln. Etwa fünf, sechs Monate nach der Geburt – also noch vor dem Sprechen – ist es dann da: dieses Glucksen, diese seltsamen, sich wiederholenden Laute, die wir ausstoßen.

Die Bandbreite des Lachens ist gewaltig. Es reicht von gackerndem Babylachen bis zu lautstarkem Opa-Gepolter, vom Gekicher über das Zirpen, Trillern, Zwitschern und Glucksen, vom Grunzen, Keuchen oder Husten bis zu Tante Angelikas hemmungslosem Gewieher nach dem Nachmittagsgrappa mit Kaffee. Unser Lachen ist eine ganz spezielle Form der Kommunikation: Wir nützen es, um andere zu ermuntern oder zu erniedrigen, sie zu düpieren oder ihnen zu schmeicheln. Wir drücken damit Freude oder Hohn aus, Aufregung oder Angst ebenso wie Verlegenheit. (Lies mehr dazu in Welche Auswirkungen hat Lachen auf unseren Körper?)

Lachen erforschen ist nicht lustig

Schon seit Aristoteles im antiken Griechenland des vierten Jahrhunderts vor Christus beschäftigt das Lachen die Philo- sophen. Aber wenige so umfassend wie den Deutschen Lenz Prütting. Der heute 79-jährige Theaterwissenschaftler und Philosoph wollte eigentlich nur einen Essay über das Wesen der Komik schreiben. Als Theaterdramaturg wollte er wissen, wie Pointen funktionieren, mit welchen Tricks man das Publikum zum Lachen bringt.

Am Ende forschte er zehn Jahre am Thema und verfasste ein knapp 2.000 Seiten starkes Standardwerk. Es heißt „Homo ridens“ („Der lachende Mensch“) und ist überhaupt nicht lustig. Dafür ist es eine erkenntnisreiche Reise durch Philosophie- und Kulturgeschichte, erklärt die Formen, Ursachen und Wirkungen des Lachens und listet die vielen Rituale auf, die wir Menschen rund ums Lachen entwickelt haben.

Für Prütting hatte diese Arbeit auch einen interessanten Nebeneffekt: Er selbst lacht jetzt deutlich weniger. Es gibt Ge- lächter, das hält er fast nicht mehr aus. „Es ist zu viel Lachen in der Welt, das falsch ist, künstlich und maskenhaft aufgesetzt“, meint er. „Politiker etwa können sich ja offenbar überhaupt nicht mehr ernst nehmen.“

Zum Glück aber sei falsches Lachen, so Prütting, leicht zu erkennen: Es bricht plötzlich ab, statt allmählich auszulaufen. „Echtes Lachen erschöpft sich von selbst“, sagt der Philosoph. Das hat es mit dem Weinen gemeinsam – und mit der Wut. Auch diese beiden Gefühlsausbrüche hören in der Regel nicht in der Sekunde auf, sondern sie verrauchen, verpuffen, schlafen langsam ein. Es gibt also echtes und falsches Lachen, und Menschen sind erstaunlich gut darin, beides zu unterscheiden.

Wir entwickeln mit dem Alter eine Lach-Hemmschwelle

Kinder lachen bis zu 400-mal, Erwachsene gerade 15-mal am Tag. Warum? Mit dem Alter scheinen wir so etwas wie eine Lach-Hemmschwelle aufzubauen. Dazu kommt: Kinder sind erheblich kitzliger als Erwachsene. Kitzeln ist im Zusammenhang mit der Lachforschung übrigens ein wichtiges Stichwort. „Wir wissen bis heute nicht, was dabei genau geschieht“, sagt der Bremer Kulturwissenschaftler und Lachforscher Rainer Stollmann. Klar sei, dass hier durch den Kontakt über die Haut eine gewisse Erregung entsteht, die zum Teil angenehm ist, aber nicht nur. „Kitzeln ist Liebe und Aggression zugleich“, sagt Stollmann. Und auch hier ist das Lustgefühl enorm.

Lachen lehrt uns den Umgang mit Widersprüchen

Ganz ähnlich funktioniert laut Rainer Stollmann das Lachen generell. Werden Sachverhalte, die wir als selbstverständlich sehen, durch konträre Aussagen „gekitzelt“, also gereizt, schafft das Raum für Lachen. „Lachen lehrt uns auf diese Weise, mit Widersprüchen umzugehen“, sagt Stollmann. Durch seine befreiende, versöhnliche Wirkung schaffe ein solches Lachen lockere, autonome Menschen. Und gegen Angst wirkt es genauso. Als irrationaler Reflex in gefährlichen Situationen oder als Ritual: „Dass wir im Fasching lachen, hat auch damit zu tun, dass Menschen den Winter und seine Gefahr weglachen wollten, als die Vorräte schon knapp waren“, meint Rainer Stollmann.

Ratten sind kitzlig

Aber woher kommt das Lachen ursprünglich? Welchen Sinn hatte es in der Entwicklung des Homo sapiens? Evolutionsbiologen sagen: Es muss uns einen Vorteil beschert haben, obwohl wir deshalb die Kontrolle über uns verlieren. Wenn du etwas über die Entwicklung des Lachens herausfinden willst, kannst du nicht wie die Archäologen mit der Schaufel nach Scherben der Vergangenheit graben. „Wenn man die Geschichte des menschlichen Verhaltens erforscht, muss man sich an unsere nächsten Verwandten halten, mit denen wir unsere Evolutionsgeschichte teilen: die Menschenaffen“, sagt Forscher Marc Mehu.

In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler also eine ganze Menge Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos gekitzelt. Sie haben die Laute, die die Tiere dabei von sich gaben, aufgezeichnet und ausgewertet. Sie haben sie mit jenen von Menschen verglichen und tatsächlich Ähnlichkeiten gefunden. Mittlerweile übrigens auch bei Ratten. Ja, die haben Forscher ebenfalls gekitzelt. Und deshalb sind mittlerweile doch einige Dinge über die Entstehung des Lachens gesichert. Wir wissen zum Bei­spiel, dass das Lachen bereits vor 10 bis 16 Millionen Jahren entstanden ist. Lan­ge bevor sich die Entwicklung des Homo sapiens von jener der Menschenaffen ge­trennt hat. Die neuronalen Netzwerke fürs Lachen befinden sich auch in sehr alten Regionen unseres Gehirns.

Lachen hilft bei der Partnerwahl (und bei der Karriere)

Der britische Anthropologe Robin Dun­bar vertritt die These, dass die Sprache und auch das Lachen mit dem sogenann­ten „sozialen Gehirn“ entstanden sind: Unsere Ahnen lernten, mit dem Lachen als Kommunikationswerkzeug die gan­ze Gruppe zu erreichen. Auf diese Art wurde das Lachen zum Bestandteil der Sprache und zu einer Spielart sozialer Intelligenz.

„Das beobachten wir bis heute“, sagt Psychologe Marc Mehu. Wenn Men­schen über das Gleiche lachen wie wir, fühlen wir uns mit ihnen verbunden. In größeren Gruppen macht es schnell klar, wer ähnlich tickt. Und es ergibt karriere­technisch erwiesenermaßen Sinn, über die Witze von Vorgesetzten zu lachen.

Lachen kann den anderen auch dazu motivieren, mehr von sich preiszugeben – so kann man ihn besser kennenlernen. Gerade Frauen, so die Wissenschaft, nüt­zen das unbewusst, um potenzielle Part­ner besser einschätzen zu können.

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Bild: Tina Herzl

Wie hole ich mir mein Lachen zurück? 5 Fragen an die Lachexpertin

Lachforscherin Nina Fuchs führt eine Apotheke mit Lachzentrum in Wien und bietet Lachyoga-Kurse an.

Als Kinder lachen wir 400-mal, als Erwachsene nur noch 15-mal pro Tag. Was ist da passiert?
Nina Fuchs: „Erziehung. Schule. Normen. Wir werden in ein System gepresst, in dem Leistung, Erfolg und Pflicht zur Maxime erhoben werden.“

Wie können wir uns das Lachen zurückholen?
„Indem wir lachen! Das Lachen muss in den Berufsalltag einkehren. Ich habe als Apothekerin Verantwortung für meine zehn Mitarbeiter. Deshalb lachen wir auch am Arbeitsplatz so oft wie möglich, gern auch ohne Grund.“

Warum ist Lachen ansteckend?
„Dafür sind die Spiegelneuronen im Gehirn zuständig. Wenn wir jemanden sehen, der lächelt, dann spiegelt das unser Körper quasi. Das ist ansteckend.“

Lachen ist gesund, aber auch anstrengend, also im Sinne eines Trainings.
„Ja, aber man spürt die Anstrengung nicht. Es gibt Studien, wonach zehn Minuten Lachen mehr Kalorien verbrennen als zehn Minuten Radfahren. Lachend Rad fahren wäre also der Kalorienkiller schlechthin! (Lacht.)“

Vor Lachen sterben oder platzen kann man nicht.

Kann man vor Lachen sterben?
„Vor Lachen sterben oder platzen kann man nicht. Ein Mechanismus in unserem Körper zwingt uns, Luft zu holen, bevor wir vor Lachen zu ersticken drohen.“

Warum ist Lachen ansteckend?

Nicht nur das Lachen eines anderen Menschen, sondern auch seine Empfindungen wie Schmerz oder Freude können sich auf uns übertragen. Das liegt an den sogenannten Spiegelneuronen unseres Gehirns. Es sind diese Spiegel­neuronen, die uns überhaupt erst zu mitfühlenden, sozialen Wesen machen. Einer Londoner Studie zufolge reagiert unsere Gesichtsmuskulatur auf positive Signale wie eben Lachen sogar stärker als auf negative Reize wie zum Beispiel zorniges Geschrei.

Deswegen lächeln wir (oft sogar unbe­wusst), wenn wir andere lachen sehen. Und wenn viele Leute lachen, lachen wir am Ende ganz sicher auch. Nach eben­ diesem Prinzip funktioniert übrigens therapeutisches Lachen.

Antwort von DR. ROMAN SZELIGA, Facharzt für Innere Medizin und Humorexperte.

Was bringt Lachyoga?

Ho-ho-hahaha: Von der Überwindung der inneren Schamgrenze, von Luftballon-Smileys und der liebevollen Überlistung unseres Körpers. Lachyoga – eine Selbsterfahrung.

Lachen ist die beste Medizin

Verbände aus Toilettenpapier, Schokoeis-Diät, Fiebermessen mit dem Maßband: Wie Clowns zu Ärzten wurden und Ärzte zu Clowns. Und wieso in Intensivstationen unbedingt mehr gelacht gehört.

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