Annehmen, was gerade ist

Das Leben läuft nicht immer so, wie man sich das gerade wünscht. Es gibt jedoch Möglichkeiten, weniger erfreuliche Situationen und Phasen besser anzunehmen.
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Bild: Getty Images

Jeder von uns kennt das: Man hat Stress mit den Kids, kommt mit Arbeitskollegen nicht zurecht, ärgert sich über die Schwiegermutter oder schafft es nicht, abzunehmen. Doch all das muss sich nicht unbedingt negativ auf Stimmung und Psyche auswirken. Je nach Veranlagung und Resilienzfähigkeit kann man das halbvolle oder eben das halbleere Glas sehen.

Anton Dicketmüller ist Allgemeinmediziner und zertifizierter Coach für The Work nach Byron Katie. Er hat schon vor langem für sich entdeckt, wie man Unmut und Leid, die aus Problemen entstehen, mildern kann: „In einem ersten Schritt muss man erkennen, dass die Wirklichkeit in unserem Bewusstsein unsere eigene Geschichte über die Wirklichkeit ist. Sie entsteht in meinem Kopf.“ Wenn einem das klar wird, würde man erkennen, dass man nur verlieren kann, wenn man im Krieg mit der jeweiligen Situation verbleibt.

Neu bewerten lernen

Schritt für Schritt in Selbstreflexion kann man sich selbst eine neue Bewertung der jeweiligen Situation erarbeiten. Eine einfache Methode dafür bietet The Work von Byron Katie.

Im Grunde geht es darum, Dinge zu reframen – in einem anderen Lichte zu sehen und die Gedanken und die eigene Geschichte dazu zu hinterfragen“, erklärt Dicketmüller. The Work bietet dazu eine einfache Anleitung. Es sind vier zentrale Fragen, die man schriftlich beantwortet, so übt man einen neuen Blick. Man formuliert das gegenwärtige negativ behaftete Thema. Danach überlegt man sich:

Die 4 zentralen Fragen

  1. Ist das wahr?
  2. Kann ich mir absolut sicher sein, dass das wahr ist?
  3. Wie reagiere ich, wenn ich diesen Gedanken glaube?
  4. Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?

Wichtig sei dabei, nicht die Gefühle infrage zu stellen, sondern die Aussage, die dieses Gefühl hervorgerufen hat. Ein Beispiel: „Ich bin wütend auf meinen Freund, weil er mir nicht zuhört.“ Jetzt gilt es, sich noch einmal emotional und sinnlich genau in die Situation zu versetzen und sich zu fragen: „Er hört mir nicht zu. (1) Ist das wahr? (2) Kann ich das wirklich wissen?“ Und weiter: (3) „Was tue ich mir und uns an, wenn ich in diesem Film bin?“ Im nächsten Schritt kann ich erkennen (4), was geschieht, wenn ich aus dieser Geisterbahn aussteige und auf die ganze Situation schaue ohne die Brille „Er hört mir nicht zu“.

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Bild:Jack Finnigan/ Unsplash

Danach gilt es, spielerisch und erfinderisch auch Umkehrungen und dazu Beispiele zu finden, wie diese Umkehrungen in dem Moment auch wahr sein könnten. Zum Beispiel: „Mein Freund hört mir irgendwie doch zu.“ Oder „Ich höre meinem Freund nicht zu.“ Oder auch: „Ich höre mir selbst nicht zu.“ Anton Dicketmüller meint: „Der ganze Prozess ist eine Form der Meditation, und man muss sich von den auftauchenden Antworten berühren lassen.“

Neue Seiten entdecken

Durch diese Spiegelung würde man dann neue Seiten entdecken – auch an sich selbst. „Man bekommt sukzessive eine neue Beziehung zu dem Thema und einen neuen Blich auf sich und die Welt. Es ist aber notwendig, sich auf das Ritual einzulassen und nicht nur zu versuchen, mental zu verstehen, was gemeint ist. Wenn man den gesamten Prozess mehrmals erfahren hat, erkennt man schnell die heilsame Wirkung“, so der gelernte The Work Coach, der die Arbeit damit seit 15 Jahren verinnerlicht hat.

Im Grunde könne man die Methode alleine erlernen. Auf der Homepage erhält man völlig kostenfreien Zugang zu Arbeitsmaterialien und Anleitungen. „Es ist Typsache, ob man mit Buch und Website alleine zurechtkommt. Wer möchte, kann einen zweitägigen Kurs besuchen und/oder auch telefonisch oder per Skype mit einem zertifizierten Coach Kontakt aufnehmen. Im Grunde ist es aber nicht notwendig, früher oder später geht es auch alleine“, meint Dicketmüller und macht Mut, wenn der Kopf und die Gefühle wieder einmal gegen die Wirklichkeit Sturm laufen, die Sache anzupacken.

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