Annehmen, was gerade ist

Das Leben lĂ€uft nicht immer so, wie man sich das gerade wĂŒnscht. Es gibt jedoch Möglichkeiten, weniger erfreuliche Situationen und Phasen besser anzunehmen.
von Ines Glatz-Deuretzbacher | 29. Dezember 2019
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Bild: Getty Images

Jeder von uns kennt das: Man hat Stress mit den Kids, kommt mit Arbeitskollegen nicht zurecht, Ă€rgert sich ĂŒber die Schwiegermutter oder schafft es nicht, abzunehmen. Doch all das muss sich nicht unbedingt negativ auf Stimmung und Psyche auswirken. Je nach Veranlagung und ResilienzfĂ€higkeit kann man das halbvolle oder eben das halbleere Glas sehen.

Anton DicketmĂŒller ist Allgemeinmediziner und zertifizierter Coach fĂŒr The Work nach Byron Katie. Er hat schon vor langem fĂŒr sich entdeckt, wie man Unmut und Leid, die aus Problemen entstehen, mildern kann: „In einem ersten Schritt muss man erkennen, dass die Wirklichkeit in unserem Bewusstsein unsere eigene Geschichte ĂŒber die Wirklichkeit ist. Sie entsteht in meinem Kopf.“ Wenn einem das klar wird, wĂŒrde man erkennen, dass man nur verlieren kann, wenn man im Krieg mit der jeweiligen Situation verbleibt.

Neu bewerten lernen

Schritt fĂŒr Schritt in Selbstreflexion kann man sich selbst eine neue Bewertung der jeweiligen Situation erarbeiten. Eine einfache Methode dafĂŒr bietet The Work von Byron Katie.

„Im Grunde geht es darum, Dinge zu reframen – in einem anderen Lichte zu sehen und die Gedanken und die eigene Geschichte dazu zu hinterfragen“, erklĂ€rt DicketmĂŒller. The Work bietet dazu eine einfache Anleitung. Es sind vier zentrale Fragen, die man schriftlich beantwortet, so ĂŒbt man einen neuen Blick. Man formuliert das gegenwĂ€rtige negativ behaftete Thema. Danach ĂŒberlegt man sich:

Die 4 zentralen Fragen

  1. Ist das wahr?
  2. Kann ich mir absolut sicher sein, dass das wahr ist?
  3. Wie reagiere ich, wenn ich diesen Gedanken glaube?
  4. Wer wÀre ich ohne diesen Gedanken?

Wichtig sei dabei, nicht die GefĂŒhle infrage zu stellen, sondern die Aussage, die dieses GefĂŒhl hervorgerufen hat. Ein Beispiel: „Ich bin wĂŒtend auf meinen Freund, weil er mir nicht zuhört.“ Jetzt gilt es, sich noch einmal emotional und sinnlich genau in die Situation zu versetzen und sich zu fragen: „Er hört mir nicht zu. (1) Ist das wahr? (2) Kann ich das wirklich wissen?“ Und weiter: (3) „Was tue ich mir und uns an, wenn ich in diesem Film bin?“ Im nĂ€chsten Schritt kann ich erkennen (4), was geschieht, wenn ich aus dieser Geisterbahn aussteige und auf die ganze Situation schaue ohne die Brille „Er hört mir nicht zu“.

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Bild:Jack Finnigan/ Unsplash

Danach gilt es, spielerisch und erfinderisch auch Umkehrungen und dazu Beispiele zu finden, wie diese Umkehrungen in dem Moment auch wahr sein könnten. Zum Beispiel: „Mein Freund hört mir irgendwie doch zu.“ Oder „Ich höre meinem Freund nicht zu.“ Oder auch: „Ich höre mir selbst nicht zu.“ Anton DicketmĂŒller meint: „Der ganze Prozess ist eine Form der Meditation, und man muss sich von den auftauchenden Antworten berĂŒhren lassen.“

Neue Seiten entdecken

Durch diese Spiegelung wĂŒrde man dann neue Seiten entdecken – auch an sich selbst. „Man bekommt sukzessive eine neue Beziehung zu dem Thema und einen neuen Blich auf sich und die Welt. Es ist aber notwendig, sich auf das Ritual einzulassen und nicht nur zu versuchen, mental zu verstehen, was gemeint ist. Wenn man den gesamten Prozess mehrmals erfahren hat, erkennt man schnell die heilsame Wirkung“, so der gelernte The Work Coach, der die Arbeit damit seit 15 Jahren verinnerlicht hat.

Im Grunde könne man die Methode alleine erlernen. Auf der Homepage erhĂ€lt man völlig kostenfreien Zugang zu Arbeitsmaterialien und Anleitungen. „Es ist Typsache, ob man mit Buch und Website alleine zurechtkommt. Wer möchte, kann einen zweitĂ€gigen Kurs besuchen und/oder auch telefonisch oder per Skype mit einem zertifizierten Coach Kontakt aufnehmen. Im Grunde ist es aber nicht notwendig, frĂŒher oder spĂ€ter geht es auch alleine“, meint DicketmĂŒller und macht Mut, wenn der Kopf und die GefĂŒhle wieder einmal gegen die Wirklichkeit Sturm laufen, die Sache anzupacken.

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