Astrid Wecht

Wie wir das Kopfkino abstellen und in etwas Positives umwandeln können

Den ganzen Tag rennt ein Film im Kopf. Manchmal werden wir dabei die Sklaven unserer Gedanken. Dabei ist es mit etwas Übung ganz einfach, die Kontrolle zurückzugewinnen.
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Bild: Getty Images

Manchmal lässt uns Erlebtes nicht los – im Kopf kauen wir es immer wieder durch, überlegen, was wir anders hätten machen können. Wäre es nicht schön, Regisseur dieses Kopfkinos zu sein?

Das ist gar nicht so abwegig, denn unsere Gedanken ergeben aneinandergereiht ebenso eine Geschichte wie einzelne Filmsequenzen einen Film. Sogar bei den Gefühlen, die dabei in uns ausgelöst werden, unterscheiden wir nicht zwischen Realität und Fiktion – auch im Kino verdrücken wir das eine oder andere Tränchen, fürchten uns oder lachen laut heraus und sind total happy. Leben mit. Identifizieren uns mit den Charakteren. Und fühlen sich diese Emotionen nicht absolut echt an?

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Bild: Erik Witsoe/Unsplash

Der Unterschied ist: Bei einem Film können wir diese Gefühle schneller wieder loslassen. Letztendlich wissen wir, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt und wir bloß Zuschauer sind. Könnte uns dieses Vermögen nicht auch dabei helfen, leichter mit gewissen Situationen im wahren Leben umzugehen?

In 3 Schritten vom Kopfkino ins echte Leben zurück

1. Erkennen

Wie oft haben wir uns schon vor Situationen höllisch gefurchten, die nie eingetreten sind? Oder im Geiste aufreibende Diskussionen durchlebt, die so nie stattgefunden haben? Und wie viel Energie haben uns diese geistigen Konstrukte gekostet? Rückblickend gesehen ist klar: Es war Kopfkino, nichts weiter. Zuerst sollten wir uns also bereits in dem Moment, in dem der Gedankenkreisel losgeht, bewusst machen, dass dieser bloß in unserem Kopf stattfindet.

2. Aussteigen

Als Zweites sollten wir versuchen, uns ebenso sehr als Zuseher unseres Kopfkinos zu begreifen, wie wir es beim Betrachten eines Filmes tun. Denn dieser Automatismus ist ein Teil von uns – ihn abzulehnen,würde wieder nur innere Diskussionen und schlechtes Befinden in uns auslösen und der Teufelskreis ginge von vorne los.

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Bild: Tim Mossholder/Unsplash

Auch Emotionen dürfen hinzukommen – ganz wie im Kino. Im Gegensatz zu vorher sind wir jedoch nur mehr die Beobachter des Treibens in uns, sind wir nicht mehr Mitwirkende in der Geschichte. Wir müssen sie nicht mehr festhalten und/oder diese weiter in Gedanken ausbauen. Emotionen dürfen sein. Aber wir lassen uns von ihnen nicht mehr lähmen. Wir lassen alle inneren Phänomene kommen und gehen. Dadurch berühren sie uns nicht in unserem inneren Wesen. So wie der Screen im Kino von den Szenen, die darauf stattfinden, nicht berührt wird – er bleibt immer weiß.

3. Im Hier und Jetzt leben

Je öfter wir üben, die Gedanken als stiller Beobachter vorbeiziehen zu lassen, umso ruhiger wird unser Geist. Wir sehen die Dinge klar. Sind bewusst wach und lassen uns von den Geschichten im Kopf nicht mehr davontragen. Wir wechseln vom Kopfkino in das Hier und Jetzt – wo das tatsächliche Leben stattfindet und wir es in vollen Zügen auskosten können.

Tipp: Mit der angeleiteten Meditation „Wie ein Berg im Leben stehen“ kannst du die Rolle des stillen Beobachters üben.

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